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Missbrauch

„Tatort Internet“: Kritik von Kinderbeauftragter

Der Vorwurf: Bei der TV-Sendung, die reale Fälle von Belästigung aufdeckt und dokumentiert, geht es nur um Einschaltquoten.

Stephanie zu Guttenberg steht in München in einem Studio von RTL II

Fürth. Die Jagd auf Kinderschänder in der RTL2-Sendung „Tatort Internet“ sei rechtsstaatlich bedenklich und gehöre verboten. Das erklärte am Freitag in Fürth die designierte Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestags, Marlene Rupprecht (SPD). Bei Missbrauch müsse sowohl der Schutz von Opfern als auch der von Tätern geachtet werden. Der TV-Sendung, die reale Fälle von Internet-Belästigung aufdeckt und dokumentiert, gehe es dagegen nur um Einschaltquoten.

„Die Hoheit, Verbrechen aufzudecken, liegt noch immer bei der Justiz“, sagte Rupprecht. Die Fernsehsendung mit Stephanie zu Guttenberg dagegen provoziere regelrecht reale Straftaten. Zudem hätten auch die vermeintlichen Täter das Recht, nicht öffentlich bloßgestellt zu werden. „Medienerziehung ist wichtig“, betonte Rupprecht: „Aber nicht anhand realer Fälle.“

Ein weiteres Anliegen der Abgeordneten während ihrer neunmonatigen Amtszeit ist es, behinderte Kinder in die kommunale Kinder- und Jugendhilfe zu integrieren. Bisher fallen sie unter die Zuständigkeit der Bezirke. „Aber auch ein behindertes Kind kann Pubertätsprobleme haben, die nichts mit seiner Behinderung zu tun haben“, so Rupprecht. Mit dem Ansatz „Es ist normal, verschieden zu sein“ plädierte sie deshalb dafür, niemanden vorschnell auszugrenzen.

„An Kindern verdient die Pharmaindustrie zu wenig“, erklärte die Kommissionsvorsitzende. Deshalb gebe es zu wenige Medikamente speziell für Neugeborene. Oft würden stattdessen schlicht geringere Dosen von Mitteln für ältere Patienten verabreicht. Auch das Angebot ambulanter Kinderpflegedienste, an Einrichtungen für sterbende Kinder und Kinderbetten in Krankenhäusern ist der Beauftragten zufolge noch ausbaufähig.

Kinder sollen beschützt, gefördert und beteiligt werden - so stehe es in der UN-Kinderrechtskonvention. „Tatsächlich werden sie gerne übersehen“, bemängelte Rupprecht. Deshalb wolle sie dafür kämpfen, ihre Rechte zu stärken und im Grundgesetz zu verankern. „Oft werden Kinder nur als Objekte und nicht als Subjekte behandelt“, sagte die Beauftragte. Gerade nach Scheidungen aber müssten sie stärker in Entscheidungen einbezogen werden.

„Mehr Respekt und Begegnung auf Augenhöhe“ lautete Rupprechts Plädoyer für den künftigen Umgang mit Kindern. Seit zwölf Jahren ist sie Mitglied der Kinderkommission und übernimmt am kommenden Mittwoch zum dritten Mal deren Leitung. Das Gremium besteht aus je einem Vertreter der Fraktionen und vertritt die Interesse von Kindern und Jugendlichen.

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