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Nachwuchs

Kaltstart für Meister Adebars Kinder

Die Nittenauer Störche brüten fünf Eier aus. Das Schlüpfen kann jeden Moment beginnen, doch jetzt drohen Frost und Regen.
Von Cornelia Lorenz

Von der Webcam auf dem Haus des Gastes aus kann man gut ins Nest hineinschauen. Fünf Eier hat die Storchendame heuer gelegt – und das Schlüpfen der Küken steht unmittelbar bevor. Foto: Hans Fünffinger
Von der Webcam auf dem Haus des Gastes aus kann man gut ins Nest hineinschauen. Fünf Eier hat die Storchendame heuer gelegt – und das Schlüpfen der Küken steht unmittelbar bevor. Foto: Hans Fünffinger

Nittenau.Hoch oben über dem Kirchplatz geht es in den nächsten Tagen um Leben und Tod: Das Nittenauer Storchenpaar war heuer besonders fleißig und bebrütet seit ziemlich genau vier Wochen fünf Eier. Jeden Moment kann deshalb das große Schlüpfen beginnen – doch schaffen es die Altvögel, die vielen Küken dauerhaft vor der fürs Wochenende angekündigten Kälte und dem Regen zu schützen? Gunther Stangl, der Storchenbeauftragte der Stadt, hat kein gutes Gefühl. „Ich weiß nicht, ob es ausreichen wird“, sagt er.

Ein Blick auf die Wetterprognose sorgt für Gänsehaut: Am Wochenende ist mit Nachtfrost und tagsüber mit zum Teil ergiebigen Regenfällen zu rechnen – ein Wettermix, der für frisch geschlüpfte Storchenküken nicht gerade ideal ist. Temperaturen von zehn bis 15 Grad und trockenes Wetter wären für die Schlüpfzeit laut Stangl optimal.

Die beiden Altvögel müssen für genug Wärme sorgen

Gunther Stangl ist der Storchenbeauftragte der Stadt Nittenau. Foto: ht/Archiv
Gunther Stangl ist der Storchenbeauftragte der Stadt Nittenau. Foto: ht/Archiv

Bleibt also zu hoffen, dass die Altstörche auf dem Dach des Haus des Gastes genügend Sitzfleisch haben, um ihren Nachwuchs rund um die Uhr warm zu halten. „Sonst ist das ganze Gelege kaputt“, sagt Stangl. Er kann die Vögel zwar beim Wärmen der Küken nicht unterstützen, will den Störchen im Notfall aber anderweitig helfen: Er wird sie bei Bedarf mit Fisch und Hühnerküken füttern.

Beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) macht man sich derweil wenig Sorgen um den Nittenauer Storchennachwuchs. Oda Wieding, beim LBV als Expertin für Meister Adebar im Einsatz, sammelt Informationen über alle Nester im Freistaat und kennt deshalb auch die Nittenauer Brutstätte am Kirchplatz. Fünf Küken aufzuziehen, das sei zwar für ein Storchenpaar durchaus eine Herausforderung, räumt sie ein. Im Schnitt legen die Altvögel zwei bis vier Eier ins Nest. Doch ein erfahrenes Paar könne die Aufgabe bewältigen – und komme auch mit der angekündigten Kälte recht gut klar. „Die Störche leben seit der Eiszeit hier und haben sich angepasst“, ist Wieding überzeugt. Einer der Altstörche könne die Kleinen gut schützen und wärmen, während der andere das Futter heranschaffe. Problematisch werde es erst bei Dauerregen. „Dann trocknet das Gefieder der Störche nicht und sie fliegen ungern“, weiß die Expertin.

Die kräftigsten Küken werden zuerst gefüttert

Ihrer Erfahrung nach sind Kälte und Dauerregen für den Storchennachwuchs dann am gefährlichsten, wenn die Küken schon drei bis vier Wochen alt sind und in etwa die Größe eines Huhns erreicht haben – denn dann passen sie nicht mehr unter den wärmenden Körper der Eltern.

Abkühlung

Die frechen Frühschwimmer im Freibad

Zwei Enten sind schon vor der Eröffnung in Nittenau treue Gäste. Das Becken benutzen sie zum Planschen – und als Toilette.

Ob das Nittenauer Storchenpaar tatsächlich alle fünf Jungvögel großzieht, wird sich im Lauf der Zeit entscheiden: Die kräftigsten Küken bekommen zuerst ihre Futterration, die die Eltern in der Regel in der Mitte des Nest herauswürgen. Die schwächeren Storchenkinder haben das Nachsehen – und manchmal komme es sogar vor, dass die Eltern in den ersten zwei Wochen ein kränkelndes Küken fressen, sagt Wieding. Was für Menschen grausam klinge, erhöhe aber die Überlebenschancen für die kräftigen Küken.

Storchenkampf um das Nest am Regentalgymnasium

Nach acht bis zehn Wochen im Nest werden die Jungvögel ausfliegen. Wo sie sich als erwachsene Tiere niederlassen, kann niemand sagen. In Nittenau jedenfalls scheinen sich in der Storchen-Szene Veränderungen anzubahnen: Während das Nest auf dem alten Heizkamin des Regentalgymnasiums in den vergangenen Jahren verwaist war, ist es heuer vorübergehend von einem jungen Storchenpärchen in Beschlag genommen worden. Der städtische EDV-Techniker Hans Fünffinger, der seit rund zehn Jahren die Nittenauer Storchennester mit Webcams beobachten lässt, hat in diesem Nest sogar ein Ei entdeckt, das bis vor gut einer Woche auf den Bildern der Kamera noch deutlich zu erkennen war.

Das Liebesglück der Störche auf dem Heizkamin des Regentalgymnasiums war nicht von langer Dauer. Foto: Hans Fünffinger
Das Liebesglück der Störche auf dem Heizkamin des Regentalgymnasiums war nicht von langer Dauer. Foto: Hans Fünffinger

Doch dem zweiten Storchenpaar ist der Kindersegen trotz aller Bemühungen am Ende verwehrt geblieben: Fünffinger hat beobachtet, wie vermutlich der Storchenmann vom Kirchplatz Attacken gegen die Neuankömmlinge flog. Er dürfte es auch gewesen sein, der das Ei aus dem Nest befördert hat. Für die Kinderstuben der Nittenauer Störche interessieren sich laut Fünffinger Tierfreunde aus ganz Deutschland und Österreich. Manchmal werfen bis zu 30 Zuschauer gleichzeitig via Webcam einen Blick ins Nest – wo hoffentlich bald fünf kräftige Küken um Futter betteln werden.

Live-Bilder aus dem Nest

  • Zuschauen:

    Tierfreunde, die einen Blick in die Kinderstube von Meister Adebar werfen wollen, können die Webcam auf dem Haus des Gastes nutzen. Sie liefert rund um die Uhr Live-Bilder aus dem Nest. Sie ist hier erreichbar. Hier kann man noch zwei weitere Nittenauer Webcams ansteuern.

  • Technik:

    Die Webcam, die auf dem Dach des Haus des Gastes montiert ist, verfügt über eine WLAN-Richtfunkverbindung zum Feuerwehrhaus. Der Empfänger befindet sich auf dem Schlauchturm. Vom Feuerwehrhaus aus wird dann die DSL-Verbindung genutzt. Dennoch: Wenn mehr als 25 Zuschauer gleichzeitig online sind, liefert die Webcam ruckelige Bilder.

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