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Natur

Nur richtiges Füttern hilft im Winter

Regensburger können ihren Vögeln durch den Winter helfen. Enten auf der Donau und Tauben in der Altstadt gehören nicht dazu.
Von Jan-Lennart Loeffler

Großer Andrang am Vogelhaus: Wer im Winter füttern möchte, muss die Nahrung sauber halten. Foto: Ingo Rittscher (LBV)
Großer Andrang am Vogelhaus: Wer im Winter füttern möchte, muss die Nahrung sauber halten. Foto: Ingo Rittscher (LBV)

Regensburg.Wenn es nach dem aktuellen Angebot in Regensburgs Gartenmärkten, Zoohandlungen und anderen Geschäften geht, dann stellt sich die Frage nicht: Jetzt ist offenbar die Zeit, Vögel zu füttern. Vom Meisenknödel bis zum kompletten Vogelhaus ist pünktlich zu Beginn des Winters alles im Angebot, was der ambitionierte Vogelfütterer braucht. Aber soll man Vögel wirklich füttern? Schließlich ist Regensburg noch weit von einer geschlossenen Schneedecke entfernt, die vielleicht die Nahrungssuche von Sperling, Amsel und Co. erschweren könnte.

Die Frage beantwortet Ferdinand Baer von der Vogelauffangstation des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Regenstauf mit einem klaren „Ja“. Den Wert der Fütterung sieht Baer nicht nur in ihrem Wert für den Naturschutz: „Sie ersetzt fehlende natürliche Futterquellen, aber für die meisten ist es einfach schön, Natur direkt vor der Haustür zu erleben.“ Es hilft aber nicht allen Vögel gleich.

„Grundsätzlich profitieren die Gartenvögel, die als Kulturfolger im besiedelten Raum leben“, erklärt der LBV-Vogelexperte und Falkner. In Regensburg sind dies vor allem der Haus- und Feldsperling, die Amsel sowie die Kohl- und Blaumeise. Auch Elstern und Türkentauben wurden bei der alljährlichen Zählaktion des LBV – der Stunde der Wintervögel – im Regensburger Stadtgebiet oft gezählt. Die häufigste Art in der Stadt ist der Haussperling, landesweit wurde im vergangenen Winter die Kohlmeise am öftesten gezählt.

Hygiene verhindert Krankheiten

Baer weist auf grundlegende Regeln hin, die beim Vögelfüttern zu beachten sind: „Wichtig ist die Hygiene. An einem Vogelhaus kommen viele Vögel zusammen. Ein kranker Vogel kann mehrere andere anstecken.“ Ein Futterhäuschen muss man daher immer wieder reinigen. „Wenn ein Futterhäuschen aufgestellt wird, dann sollte es einen Futterständer in der Mitte haben, so dass das Futter nicht in der Fläche verbreitet wird“, rät Baer. „Wichtig ist, dass das Futter nicht nass wird und schimmelt.“

Baer schlägt eine Alternative vor: „Besser ist es, wenn man nur mit einer hängenden Futterstelle arbeitet.“ Er hat selbst Meisenknödel in seinem Garten. Teures Futter ist für Baer nicht nötig. „Mehlwürmer und Insekten aus dem Fachgeschäft sind für die Vögel ganz nett, aber das geht auch ins Geld.“ Er gibt den Tipp, zum Beispiel auch einfach mal einen Apfel an einen Strauch zu stecken. Oder ein paar Erdnüsse auszuwerfen, die den Eichelhäher anlocken, beziehungsweise Haferflocken fürs Rotkehlchen.

Bildergalerie: Das sind die häufigsten Wintervögel in Regensburg:

Regesnburgs häufigste Wintervögel

Eine Vogelfütterung lockt nicht nur Vögel an. Zu beachten ist beim Füttern auch, dass die Vogelmahlzeit auch unfreiwillig Katzen anzieht. „In unserer Vogelstation bekommen wir viele Katzenopfer“, berichte Baer. „Wir kommen um die Problematik nicht herum.“ Er rät dazu, Futterstellen nicht in einer Hecke zu platzieren, wo sich eine Katze anschleichen könnte. Eine andere Sicht hat Baer auf den Sperber, der als Vogeljäger ebenfalls zu den Fressfeinden der Singvögel gehört. „Wer Singvögel füttert, der füttert damit auch den Sperber.“ Wer die Natur fördern möchte, der müsse eben auch akzeptieren, dass sich ein Sperber im Garten seine Nahrung sucht.

Futter gegen Tauben sichern

Ein eigener Garten ist zum Füttern nicht nötig. Auch wer zum Beispiel in der Altstadt wohnt, kann laut Baer füttern. Wichtig sei, dass man dabei auf Tauben achtet. „Man sollte nur hängendes Futter aufhängen, das können die Tauben eigentlich nicht aufnehmen“, erklärt Baer. „An einen Meisenknödel kann sich keine Taube hängen.“ Das Füttern von Tauben ist gemäß Taubenverordnung im Stadtgebiet verboten. Das Fütterungsverbot erfasst auch das Auslegen von Futter, das von den Tauben aufgenommen werden kann.

Hier ist das Füttern verboten!

  • Tauben:

    Verwilderte Tauben dürfen im Stadtgebiet nicht gefüttert werden. Das Fütterungsverbot erfasst auch das Auslegen von Futter, das von Tauben aufgenommen werden kann.

  • Wasservögel:

    Der LBV ist der Ansicht, dass die Fütterung von Wasservögeln wie Enten, Gänsen und Schwäne meist unnötig ist, Sie finden in ihrer Umgebung genug zum Fressen.

  • Eulen:

    Das Füttern von fleischfressenden Vögeln wie Eulen und Greifvögel ist laut LBV nicht nötig. Das Ausbringen von Fleisch in der freien Landschaft ist zudem verboten.

Die verschiedenen Wasservögel auf der Donau sollten ebenfalls nicht gefüttert werden. „So große Fließgewässer wie die Donau frieren eigentlich nicht mehr zu“, sagt Baer. „Und so lange das Wasser offen ist, kommen Enten und andere immer an Futter.“ Neben Stock- und Reiherenten beobachtet er unter anderen auch Lachmöwen und Schwäne auf der Donau und ihren Nebenflüssen im Stadtgebiet. Der Vogelexperte sieht beim Füttern am Wasser große Probleme: Er nennt zum einen die Verschmutzung durch Vogelkot und die Gefahr der Krankheitsübertragung, wenn viele Vögel an eine Stelle gelockt werden. Und er weist darauf hin, dass schimmeliges Brot für Vögel genauso ungesund ist wie für Menschen.

Auch wenn eine Fütterung vor allem den ohnehin häufigen Gartenvögeln zugutekommt, so kann der Vogelexperte dennoch keine Verdrängung anderer Arten beobachten. „Die typischen Feld- und Waldvögel kommen im Winter auch nicht zur Fütterung.“ Diesen Arten kann eher durch den Erhalt ihrer Lebensräume geholfen werden.

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