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Alle elf Sekunden

Auch in Deutschland sind tausende Frauen von Genitalverstümmelung betroffen. Mehr Aufklärung ist notwendig.
von Maja Wegener, Terre des Femmes

Maja Wegener ist Leiterin der Abteilung Themen, Projekte und Beratung bei Terre des Femmes.
Maja Wegener ist Leiterin der Abteilung Themen, Projekte und Beratung bei Terre des Femmes.

Mädchen und Frauen haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Doch alle 11 Sekunden wird ein Mädchen weltweit an ihren Genitalien verstümmelt. Daran erinnert der heutige Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Den Aktionstag rief die First Lady von Nigeria, Stella Obasanjo, 2004 gemeinsam mit dem Inter-African Committee on Traditional Practices Affecting the Health of Women and Children aus, um damit an die kulturell verankerte Beschneidung weiblicher Genitalien zu erinnern. Vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter werden die weiblichen Geschlechtsteile Klitoris und/oder Schamlippen teilweise oder ganz entfernt oder verletzt und geschädigt.

Aktuellen Angaben von Unicef zufolge sind weltweit mehr als 200 Millionen Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Tatsächlich dürften es eher doppelt so viele sein, bisher gibt es nur für den Subsahararaum, Ägypten und Irak umfassende Studien. Dabei weiß man heute, dass auch im Nahen Osten und Südostasien Mädchen und Frauen genitalverstümmelt werden. Und nicht nur dort sind Frauen und Mädchen betroffen oder gefährdet, auch in Deutschland sind 58000 Frauen betroffen und 13000 Mädchen bedroht. Das entspricht einer mittelgroßen Stadt. Diese Zahlen haben sich innerhalb von 20 Jahren fast verdreifacht: 1998 waren es 21000 Betroffene und 5500 Gefährdete.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Migration aus Ländern, in denen es zur Tradition gehört, Mädchen zu verstümmeln, muss dringend mehr in Aufklärung und Prävention investiert werden. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen, so genannte U-Untersuchungen, für alle Kinder an den Genitalien in Deutschland notwendig. Nur so kann sichergestellt werden, dass Mädchen unversehrt in Deutschland aufwachsen, und bereits Betroffene medizinisch und psychologisch betreut werden. Das System der Früherkennungsuntersuchungen ist eine Errungenschaft des deutschen Sozialsystems, von dem alle Kinder profitieren sollten. U-Untersuchungen sind bisher allerdings nicht gesetzlich verpflichtend.

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung. Damit rechtzeitig erkannt wird, wer gefährdet oder betroffen ist, brauchen wir zudem verpflichtende Aus- und Weiterbildungen für Fachpersonal aus medizinischen, pädagogischen, sozialen sowie juristischen Berufen und für Angestellte der Kinder- und Jugendhilfe. Nur so wird es möglich sein, dass die Zahl Betroffener und Gefährdeter nicht weiter in Deutschland ansteigt.

Die Autorin ist Leiterin der Abteilung Themen, Projekte und Beratung bei Terre des Femmes. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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