mz_logo

Politik
Samstag, 23. Juni 2018 18° 4

Rente

Altersarmut wegen Mieten

Für Rentner besteht die Gefahr, dass sie sich arm wohnen. Die Regierung muss daher Wohneigentum für Geringverdiener fördern.
Thomas Penningh

Berlin.Im Wohneigentum steckt eine effektive Chance zur Altersvorsorge. Genutzt wird sie in Deutschland allerdings zu wenig. Das Baukindergeld allein wird zu keiner spürbaren Steigerung der Wohneigentumsquote führen. Dabei liegt diese in Deutschland bei lediglich 45 Prozent und damit im Europa-Vergleich ganz hinten. Vor allem aber verschenkt eine „Nur-Baukindergeld-Politik“ für weite Teile der Bevölkerung die Möglichkeit einer verlässlichen Alterssicherung durch selbst genutztes Wohneigentum.

Es gibt mehrere Bevölkerungsgruppen, für die eine Eigentumsförderung aus staatlicher Sicht mehr als sinnvoll ist. Gerade dann, wenn es darum geht, deren Wohnkostenrisiko im Alter zu reduzieren. Eine Studie des Pestel-Instituts hat dabei insbesondere Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen im Blick, die sich ohne staatliche Unterstützung kein Wohneigentum leisten können. Ebenso Mieter in Großstädten und Metropolregionen. Vor allem aber auch die geburtenstarken Jahrgänge der heute 45- bis 55-Jährigen, die ab 2030 in Rente gehen. Für diese Bevölkerungsgruppe prognostiziert die Studie ein hohes Risiko, durch Miete in Altersarmut zu rutschen: 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die ab 2030 in Rente gehen, bekommen demnach künftig weniger als 800 Euro pro Monat von der gesetzlichen Rentenversicherung – und das selbst bei 40 Beitragsjahren mit Vollzeitbeschäftigung. Mit der Rente sackt für diese Menschen das Geld, das sie monatlich zur Verfügung haben, rapide nach unten. Gleichzeitig sind Miete, Heiz- und Nebenkosten aber weiterhin fix.

Gegen diese konkrete Gefahr, sich arm zu wohnen, könnte eine staatliche Förderung für kleines Wohneigentum ein „Wohnschutzschirm“ sein: Über eine gut justierte Wohneigentumsförderung würde es dem Staat gelingen, Menschen davor zu bewahren, ihren Lebensstandard dramatisch absenken zu müssen oder sogar in die Grundsicherung im Alter abzurutschen. Der Staat könnte damit langfristig auch Sozialleistungen – insbesondere Wohngeld und Kosten der Unterkunft – sparen. Der Bund wäre deshalb gut beraten, die Wohneigentumsförderung breit aufzustellen und als wichtige Säule der Sozialpolitik zu nutzen. Denn die eigenen vier Wände sind da und haben Bestand – unabhängig davon, wie die Rentenhöhe im Alter schwankt. Sie bieten die Sicherheit eines dauerhaften Daches über dem Kopf – ohne Angst vor Mieterhöhungen oder vor einer Kündigung.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht