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Außenansicht

Anreize für neue Technologien setzen

Eine umfassende Bepreisung von Kohlendioxid ist das wirtschaftlichste Mittel, um die Emissionen zu senken.
Prof. Dr. Andreas Löschel

Prof. Dr. Andreas Löschel ist Direktor des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung und Inhaber des Lehrstuhls für Mikroökonomik, insbesondere Energie- und Ressourcenökonomik, an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Prof. Dr. Andreas Löschel ist Direktor des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung und Inhaber des Lehrstuhls für Mikroökonomik, insbesondere Energie- und Ressourcenökonomik, an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

In der Politik wird nach der Sommerpause der nationale Klimakonsens gesucht. Ökonomen sind sich schon seit langem einig: Eine umfassende Bepreisung von CO2 ist das wirtschaftlichste Mittel, um die Emissionen zu senken. Ein CO2-Preis lenkt die Wirtschaftsakteure und schafft Anreize zur Entwicklung neuer Technologien und für klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen. Besonders wichtig ist aktuell die CO2-Bepreisung für die Bereiche Wärme und Verkehr. Während die Treibhausgasemissionen in den Sektoren des Europäischen Emissionshandelssystem mit einem CO2-Preis in den letzten Jahren gesunken sind, verharren die Emissionen in Wärme und Verkehr auf hohem Niveau. Das verbindliche EU-Minderungsziel droht gerissen zu werden. Und das wäre teuer für Deutschland.

Zwar scheint es einen gewissen politischen Konsens zu geben, dass ein höherer CO2-Preis für die Bereiche außerhalb des EU-Emissionshandels notwendig ist. Wie dies geschehen soll, ist aber umstritten. Soll der EU-Emissionshandel auf die Bereiche Wärme und Verkehr ausgeweitet, ein eigener Emissionshandel dafür geschaffen oder eine CO2-Steuer eingeführt werden? Wichtig ist: Emissionshandel und CO2-Steuer sind klimapolitische Zwillinge. Beide nutzen die unsichtbare Hand des Marktes und geben ihr einen grünen Daumen zur Erreichung der Klimaziele.

Jedoch ist nicht klar, wie Unternehmen und Haushalte auf neue Preissignale reagieren und das hat Folgen: Bei einer CO2-Steuer ist der Umfang der CO2-Einsparungen unklar. Im Emissionshandel, bei dem die CO2-Minderung festgelegt ist, bleibt der sich ergebende CO2-Preis unsicher.

Also, Klimarisiko bei der CO2-Steuer oder Kostenrisiko im Emissionshandel? Mitnichten. CO2-Steuern können zur Erreichung der Klimaziele über die Zeit angepasst werden, das Kostenrisiko im Emissionshandel durch Obergrenzen für CO2-Preise gedeckelt werden. Dann steigen aber die Kosten der CO2-Steuer entsprechend an oder werden die Klimaziele in einem Emissionshandel mit einem Preisdeckel eben nicht mehr erreicht. Es gibt also keine eindeutig zu bevorzugende Lösung, es kommt auf die Ausgestaltung an. Der nationale Klimakonsens braucht an der Frage „Emissionshandel oder CO2-Steuern“ nicht zu scheitern.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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