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Ökonomie

Antworten auf Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution hat begonnen und die Politik sucht nach Antworten auf die zu erwartenden Umwälzungen.
Von Markus Härtl

Markus Härtl ist Organisator des Forums für wirtschafts- und gesellschaftspolitische Zukunftsfragen in der Ostschweiz sowie Vorstandsmitglied der Kampagne bGE Schweiz.
Markus Härtl ist Organisator des Forums für wirtschafts- und gesellschaftspolitische Zukunftsfragen in der Ostschweiz sowie Vorstandsmitglied der Kampagne bGE Schweiz.

Industrie 4.0 – die digitale industrielle Revolution – war Hauptthema beim Weltwirtschaftsforum (WEF) letzte Woche in Davos/Schweiz. Eine Zukunft ohne Arbeit? So lautete dort die Frage. Eine Studie der Uni Oxford schätzt, dass in zehn Jahren die Hälfte der heutigen Jobs aufgrund Digitalisierung und Automatisierung verschwinden wird. Sie verändern unsere Gesellschaft in atemberaubender Geschwindigkeit und wir stehen vor dem größten Umbruch seit Erfindung der Dampfmaschine.

Seit 50 Jahren verdoppelt sich die Leistung von Computern alle 18 Monate. In zehn Jahren werden Rechner die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns erreichen, so der Soziophysiker Dirk Helbing. Ersetzten Maschinen bis heute Muskelkraft, werden es zukünftig zunehmend auch geistige Fähigkeiten sein. Lernende Roboter werden Leistungen des Gehirns in großem Umfang replizieren können und gelten als größte existenzielle Bedrohung unseres Sozial- und Wirtschaftssystems.

Roboter werden nie müde, brauchen keine Freizeit, werden nicht krank und benötigen keinen Lohn. Doch sie stellen nur so lange eine Bedrohung dar, wie die Existenzsicherung der Menschen noch von einer Erwerbsarbeit abhängig ist.

Eine Lösung kann hier ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ (bGE) sein, so wie Götz Werner (Gründer DM-Drogerie) es seit Jahren fordert und kürzlich auch Telekom-Chef Timotheus Höttges. SAP-Vorstand Bernd Leukert findet, dass man die Bedingungen für ein faires Einkommen nicht der Wirtschaft überlassen sollte. Hier ist die Politik gefragt, den richtigen Rahmen zu setzen. Wenn wir an dieser Stelle nichts tun, droht die Gesellschaft auseinanderzubrechen. Je nachdem, welchen Weg wir wählen, könnte es zu Massenarbeitslosigkeit kommen oder aber zu einer Gesellschaft des gemeinsam geteilten Wohlstands. Klar ist: Wir müssen ganz neu denken. Das sagt auch der Wirtschaftswissenschaftler und WEF-Gründer Klaus Schwab und fordert ein Mindesteinkommen für alle. Wer soll die von Robotern gefertigten Produkte kaufen, wenn Millionen von Konsumenten fehlen aufgrund der Einkommens-Verluste? Christopher Pissarides, Professor für Arbeitsmarkt-Ökonomie und Nobelpreisträger befürwortet auf dem WEF ebenfalls ein bedingungsloses Grundeinkommen als Antwort auf diese Frage. Selbst US-Vizepräsident Joe Biden hielt in Davos ein flammendes Plädoyer für eine neue Umverteilung und warnte vor einer Erosion des Mittelstandes.

Auf jeden Fall lohnt es sich nicht gegen Industrie 4.0 anzukämpfen, da es seinen Lauf so oder so nehmen wird. Im Gegenteil, sehen wir darin doch lieber eine Erfolgsgeschichte, die allerdings zu Ende gedacht werden muss. Das Problem sind nicht die Maschinen oder Roboter, möglicherweise aber die Form, wie wir sozial- und wirtschaftspolitisch auf diese Entwicklung reagieren.

Machen wir hier alles richtig, würde es die technischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte rechtfertigen und es würde wesentlich dazu beitragen, dass diese Geschichte als „Erfolgsgeschichte“ zu Ende gedacht werden kann, da es den Menschen nicht ausschließt sondern an diesem Erfolg teilhaben lässt.

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