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Barnier hält Brexit-Einigung für möglich

Die EU will den Schwarzen Peter nicht: Ein Deal mit London sei zwar nicht greifbar, aber auch nicht ausgeschlossen.

„Auch wenn es sehr schwierig ist, bleibt eine Einigung mit Großbritannien noch möglich“, sagt EU-Chefunterhändler Michel Barnier. Foto: Francisco Seco/AP/dpa
„Auch wenn es sehr schwierig ist, bleibt eine Einigung mit Großbritannien noch möglich“, sagt EU-Chefunterhändler Michel Barnier. Foto: Francisco Seco/AP/dpa

Brüssel.Trotz der Zuspitzung im Brexit-Streit sieht die Europäische Union immer noch Chancen auf einen Kompromiss mit Großbritannien - wenn auch sehr kleine.

„Auch wenn es sehr schwierig ist, bleibt eine Einigung mit Großbritannien noch möglich“, sagte EU-Chefunterhändler Michel Barnier am Mittwoch im Europaparlament. Derzeit bahne sich allerdings kein Durchbruch an. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erwartet in den nächsten Tagen mehr Klarheit.

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Am Dienstag hatte sich der Streit um den britischen EU-Austritt noch einmal verschärft. Die britische Regierung ließ nach einem Telefonat des Premierministers Boris Johnson mit Bundeskanzlerin Angela Merkel durchsickern, dass eine Einigung mit der EU womöglich ausgeschlossen sei. EU-Ratschef Donald Tusk warf Premierminister Boris Johnson daraufhin ein „dummes Schwarzer-Peter-Spiel“ vor.

Auch Juncker sagte: „Ich akzeptiere nicht dieses 'Blame Game', das in London begonnen wurde.“ Er persönlich schließe aber einen Deal mit Großbritannien nicht aus. Die Bundesregierung widersprach der britischen Darstellung am Mittwoch energisch. „Wir haben keine neue Position zum Brexit, weder die Bundeskanzlerin noch die Bundesregierung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Großbritannien soll nach jetzigem Stand am 31. Oktober die EU verlassen. Ein bereits 2018 ausgehandelter Austrittsvertrag ist jedoch immer noch nicht ratifiziert, sondern soll nach Johnsons willen in letzter Sekunde geändert werden. Beide Seiten wollten eigentlich eine Einigung bis zum EU-Gipfel Ende nächster Woche.

Johnson hat Vorschläge gemacht, wie die bisher vorgesehene Garantieklausel für eine offene Grenze in Irland - der sogenannte Backstop - ersetzt werden soll. EU-Unterhändler Barnier wies diese jedoch in seiner Parlamentsrede Punkt für Punkt zurück.

EU

EU will über Brexit-Deal entscheiden

Bis Ende der Woche soll klar sein, ob ein Brexit-Deal mit den Briten möglich ist. Ein Kurswechsel Johnsons scheint fraglich.

Kritik übte er vor allem daran, dass Johnsons Konzept keine glaubhaften Kontrollen von Waren vorsehe, die von Nordirland in die Republik Irland kämen. Das sei ein „bedeutendes Risiko“ für den EU-Binnenmarkt. Darüber hinaus widersprach Barnier der Idee eines einseitigen Vetorechts der nordirischen Volksvertretung.

Ob beide Seiten doch noch irgendwie zusammenkommen, könnte im Laufe dieser Woche klarer werden. Am Donnerstag trifft Johnson den irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar. Einen Tag später will Barnier in Brüssel den britischen Brexit-Minister Stephen Barclay empfangen, wie ein Kommissionssprecher sagte. Ebenfalls am Freitag wollen die 27 bleibenden EU-Länder in Brüssel Bilanz ziehen.

EU

Notfalls doch Brexit-Verschiebung

Der britische Premier Johnson scheint von seiner Linie abzuweichen. Doch Drohungen mit No-Deal-Brexit dürften nicht aufhören.

Sollte nicht rechtzeitig ein Durchbruch gelingen, dürfte sich beim Gipfel am 17. und 18. Oktober die Debatte um eine mögliche neue Verlängerung der Austrittsfrist drehen. Johnson hat zwar immer wieder gesagt, er werde keinen weiteren Aufschub beantragen, sondern sein Land mit oder ohne Deal am 31. Oktober aus der EU führen. Ein britisches Gesetz zwingt den Premier jedoch zu einem Antrag auf Verlängerung, falls bis 19. Oktober kein Kompromiss steht.

Wegen seiner harten Linie im Brexit-Streit droht Johnson einem Zeitungsbericht zufolge auch in der eigenen Regierung Unmut. Nach Informationen der „Times“ (Mittwoch) könnten fünf Kabinettsmitglieder zurücktreten, die einen Austritt ohne Vertrag ablehnen. Bei den Absprungkandidaten handele es sich um Nordirland-Minister Julian Smith, Kulturministerin Nicky Morgan, Justizminister Robert Buckland, Gesundheitsminister Matt Hancock sowie um den Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox, den wichtigsten juristischen Berater der Regierung.

Das oberste Gericht in Schottland vertagte am Mittwoch eine Entscheidung, ob es im Streit um eine Brexit-Verlängerung im Zweifel eingreifen würde. Kritiker von Johnson hatten in dem Berufungsverfahren gefordert, dass die Richter dem Regierungschef Zwangsmaßnahmen androhen, sollte er sich nicht an das Gesetz gegen einen ungeregelten Brexit halten.

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