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Montag, 20. August 2018 30° 1

Agrar

Bauern klagen über die Hitze

Viele Landwirte kämpfen wegen der Trockenheit gerade mit der Ernte. Beeren, Äpfel und Kirschen gibt es hingegen reichlich.
Von Lisa Pfeffer

Zur Zeit ein übliches Bild in der Region: Ein Mähdrescher fährt über die Felder. Die Trockenheit beschert nicht nur Getreidebauern ein dickes Minus.Foto: Pfeffer
Zur Zeit ein übliches Bild in der Region: Ein Mähdrescher fährt über die Felder. Die Trockenheit beschert nicht nur Getreidebauern ein dickes Minus.Foto: Pfeffer

Es staubt. Spreißel fliegen durch die Hitze. Auf dem Feld von Thomas Scheuerer fährt ein Mähdrescher – ein verbreitetes Bild in diesen Tagen. Doch eigentlich sollte man die Mähdrescher noch gar nicht fahren sehen. Die Getreideernte ist dieses Jahr ungewöhnlich früh dran. „Wir sind zehn bis 14 Tage voraus, normalerweise hätten wir nicht so früh mit der Ernte angefangen“, erzählt Thomas Scheuerer, während er vor seiner Halle in Hagelstadt den Weizen vom Mähdrescher in den Kipper lädt.

Die Landwirte haben bei der Ernte dieses Jahr wieder mit einigen Hürden zu kämpfen. Der frühe Erntebeginn ist einer davon. Wer einen Garten zu Hause hat, hat es vielleicht selbst bemerkt: Schon im März musste man den Rasen mähen, die ganze Vegetation begann früher. So auch auf den Feldern. „Wir kriegen die ganzen Folgen der Klimaerwärmung am Stärksten zu spüren“, sagt Scheuerer. Das eine ist die Pflanzenwelt, die dieses Jahr schon sehr früh dran ist, doch noch schlimmer: die Trockenheit.

Ein paar Kilometer ändern alles

Kürzlich hatte Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied eine Getreideernte „weit unter dem Durchschnitt“ vorausgesagt, teilweise seien die Ausfälle existenzbedrohend. Und auch Scheuerer aus Hagelstadt bestätigt: „In diesem Jahr ist wegen der Trockenheit auf jeden Fall mit Einbußen zu rechnen. Ich würde sagen, ungefähr 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Doch das käme auch massiv auf den jeweiligen Standort an.

„In diesem Jahr ist wegen der Trockenheit auf jeden Fall mit Einbußen zu rechnen. Ich würde sagen, ungefähr 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“

Thomas Scheuerer, Landwirt

Selbst wenige Kilometer Luftlinie können für die Betriebe den entscheidenden Unterschied zwischen Ernteausfällen und Durchschnittsertrag bedeuten. Gewisse Betriebe müssten auch mit Einbußen von bis zu 50 Prozent rechnen. Dies liegt an den oftmals nur lokal auftretenden Gewittern, die Entspannung bei der Wasserversorgung brachten – oder eben auch nicht. Außerdem ist die Bodenqualität entscheidend. Scheuerer hat Glück: Bei ihm in der Nähe von Alteglofsheim sind die Böden außerordentlich gut.

Dem Getreide geht es heuer nicht so gut. Aufgrund anhaltender Hitze müssen die Landwirte ihre Äcker in diesem Jahr deutlich früher abernten als sonst. Foto: Boris Roessler/dpa
Dem Getreide geht es heuer nicht so gut. Aufgrund anhaltender Hitze müssen die Landwirte ihre Äcker in diesem Jahr deutlich früher abernten als sonst. Foto: Boris Roessler/dpa

Er macht sich keine großen Sorgen über Ernteausfälle, da er diese mit Zuckerrüben und Kartoffeln ausgleichen kann. Von Kollegen aus Gebieten nahe der Donau, die einen sandigeren Boden haben, weiß er jedoch: Können sie diese Böden nicht bewässern, haben sie ein ernsthaftes Problem.

Mittlerweile ist Scheuerers Weizen wieder eine Station weiter: Er wird vom Kipper in die Lagerhalle geladen. Wieder staubt es. Doch das ist ok: „Das Getreide darf eh nicht mehr als 15 Prozent Wasseranteil haben, wenn ich es hier einlagere.“ Und bei der Ernte die letzten Tage hätten sie auch keinen großartigen Regen brauchen können. Doch die Monate davor ging er eben ab. Das erfährt auch Georg Hebauer, ein Landwirt aus Wörth, am eigenen Leib. Er wohnt in einer Region, die nicht mit einem so guten Boden wie in Hagelstadt gesegnet ist. Seine Körner werden seiner Einschätzung nach erheblich kleiner als in den Jahren zuvor sein und auch die Ähren werden eine geringere Größe haben.

„Das Wasser fehlte dem Weizen und der Gerste in der Wachstumsphase“

Georg Hebauer, Landwirt

„Das Wasser fehlte dem Weizen und der Gerste in der Wachstumsphase“, sagt er. Worum er sich ebenfalls Sorgen macht: Die Globalisierung hat seit Jahren die Situation ganz gewaltig verändert. Hat man früher noch regional ausgehandelte Preise für Getreide, Milch und Fleisch erhalten, ist jetzt die Basis eine ganz andere. Die Preise orientieren sich am Weltmarkt. Deutschland liegt zudem ungünstig, nahe an den großen Kornkammern am Schwarzen Meer oder in Osteuropa. Immer mehr Bauern geben aus diesen Gründen ihre Höfe auf.

„Der Minderertrag dieses Jahr wird nicht durch höhere Preise ausgeglichen werden“

Thomas Scheuerer, Landwirt

Das Problem mit dem Weltmarkt sieht auch Landwirt Thomas Scheuerer. „Der Minderertrag dieses Jahr wird nicht durch höhere Preise ausgeglichen werden.“ Für den Verbraucher bedeutet das zwar eine erfreuliche Nachricht: Getreideartikel werden kaum teurer. Doch für Landwirte ist das ein großes Problem. Manche fahren ihre Ernte gar nicht erst ein, weil es sich nicht lohnt. Somit war die ganze Arbeit und die Investitionen unterm Jahr umsonst. Die schlechte Ernte wirkt sich auch auf die Futterreserven aus. Sie werden knapp. Die daraus resultierende Notwendigkeit, Futter zuzukaufen, setzt die Betriebe zusätzlich unter Druck.

Während die Getreidebauern dieses Jahr kämpfen müssen, dürfte die Freude bei Obstliebhabern groß sein. Die Bäume hängen voller Früchte, an Kirschbäumen sieht man es schon dunkelrot blitzen. Erdbeeren haben ebenfalls ein Hoch dieses Jahr. „Jeder, der Erdbeeren gekauft hat, war begeistert. Die sind dieses Jahr qualitativ super“, sagt Theo Böxl vom Bayerischen Bauernverband. Wie die üppige Kirschernte sollen 2018 auch die Äpfel in enormer Zahl von den Bäumen fallen.

Hier lesen Sie einen Überblick, wie die Preise wegen der Dürre steigen.

Nagler erwartet Top-Saison

Apfelbäume sind voller denn je, Erdbeeren qualitativ besonders gut und Kirschen bereits rot. Foto: Büttner/dpa
Apfelbäume sind voller denn je, Erdbeeren qualitativ besonders gut und Kirschen bereits rot. Foto: Büttner/dpa

Das freut vor allem Markus Nagler, Junior-Chef der Kelterei Nagler. „Wenn ich hier durch die Landschaft fahre, sind die Apfelbäume teilweise zum Brechen voll.“ Nachdem vergangenes Jahr das schlechteste Erntejahr der Geschichte war, denkt er heuer auf eine Rekordernte zuzusteuern. Und darauf bereitet er sich und das Unternehmen vor: Mehr Personal, die Maschinen und Anlagen werden nochmal besonders gewartet und Schritte zur Verarbeitung werden jetzt schon eingeleitet. Doch wie jeder andere Landwirt, hält er sich auch an das, was schon sein Vater und Großvater gepredigt haben: „Lasst uns die Ernte beurteilen, wenn wir sie im Keller haben.“ Ein Wetterumschwung könnte auch Obst gefährlich werden.

Bereits nächste Woche wird in Südbayern die Getreideernte größtenteils abgeschlossen sein. Thomas Scheuerer wird sie dieses Wochenende schon beenden. Und dann machen sich die kleinen Körner auf den Weg nach Regensburg, wo sie in der Poschenrieder Mühle verarbeitet werden. Ab nächstem Jahr steht das Mehl aus Hagelstadt dann in den Regalen zum Verkauf.

Bei schlechten Zeiten

  • Rücklagen:

    Der Bauernverband fordert eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, die Landwirte schaffen können, um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein.

  • Finanzhilfen:

    Außerdem sollen die Bundesländer in den besonders betroffenen Regionen die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, um die in Schwierigkeiten geratenen Landwirte direkt mit Finanzhilfen zu unterstützen.

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