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Konjunktur

Betriebe: Zu schön, um wahr zu bleiben

Neun Jahre Wachstum gab es noch nie. Deshalb werden Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Oberpfalz skeptisch.
Von Bernhard Fleischmann

Die Metall- und Elektrobetriebe sind aktuell hochzufrieden. Sie befürchten aber, dass Sand ins Getriebe gerät. Foto: Felix Kästle/dpa
Die Metall- und Elektrobetriebe sind aktuell hochzufrieden. Sie befürchten aber, dass Sand ins Getriebe gerät. Foto: Felix Kästle/dpa

Regensburg.Neun Jahre hält nun der Aufschwung an. Jedes Jahr geht es den Unternehmen besser. So gut, dass sie kaum glauben wollen, dass es noch besser werden kann. „Es herrscht eine gewisse Vorsicht“, gibt Dr. Stefan Klumpp die Stimmung in den Chefetagen der oberpfälzischen Metall- und Elektroindustrie wieder. Der Vorstandschef des Regionalverbandes bayme vbm sagte gestern bei einer Pressekonferenz in Regensburg, gut 90 Prozent der Betriebe schätzten der aktuellen Sommerumfrage des Verbandes zufolge ihre Lage als exzellent ein. „Aber den meisten Firmen fehlt der Glaube, dass sich der steile Aufwärtstrend fortsetzen wird.“

Autoindustrie als Bremser

Ganz so flott wie zuvor gehe es schon nicht mehr voran. Das Produktionsplus der Branche in Bayern liege aktuell bei 0,7 Prozent. Es könnte mehr sein, wären nicht die von der Dieselaffäre geplagte Automobilindustrie und ihre Zulieferer ins Stottern geraten.

Weiterhin steige die Zahl der Arbeitsplätze. In der Oberpfalz werden laut Klumpps Erkenntnissen in diesem Jahr 3000 Stellen in der Branche hinzukommen. Dann wären insgesamt 98 000 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir können nächstes Jahr die Schwelle von 100 000 Mitarbeitern überschreiten“, erwartet Klumpp, der im Hauptberuf Vorstand beim Walzenhersteller Hamm in Tirschenreuth ist.

Eine der Wachstumsbremsen sieht er erwartungsgemäß im Fachkräftemangel. Der sei ausgeprägter als gemeinhin gedacht. Bei Hamm etwa suche man händeringend Techniker, die Mechanik und Elektronik beherrschten. Das führe mitunter dazu, dass in mittelständischen Betrieben „der Unternehmer selber unter der Maschine liegt und sie repariert“. Die Industrie habe auf die Entwicklung längst reagiert. „Wir haben unsere Ausbildungszahlen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht“, sagt Klumpp. Nun ginge man explizit in Mädchenschulen, um sie für die technischen Berufe zu begeistern. Frauen seien das einzige zahlenmäßig große Potenzial, das die Branche zur Linderung des Fachkräftemangels sehe. Länger arbeiten für alle, weniger Menschen in akademische Ausbildungen locken und Zuwanderung seien weitere Möglichkeiten. Der regionale Verbandsgeschäftsführer Herrmann Brandl plädierte dafür, Zuwanderer in Jobs zu bringen. „Das sind Menschen, bei denen sind die Berufe Bäcker und Metzger gut angesehen, die machen das gerne. Wir als Wirtschaft sagen: Gebt uns die Leute, wir integrieren sie.“

Sie präsentierten die Sommerumfrage: Geschäftsführer Hermann Brandl und Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Klumpp Foto: Fleischmann
Sie präsentierten die Sommerumfrage: Geschäftsführer Hermann Brandl und Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Klumpp Foto: Fleischmann

Bedrohlicher Handelsstreit

Fachkräfte fehlten heute übrigens nicht mehr nur in Deutschland, sondern auch den Zulieferern in Osteuropa. 20 Prozent Lohnplus in einem Randgebiet in Tschechien in diesem Jahr sei zum Beispiel die Folge, berichtet Klumpp. Aber es mangelt auch an Maschinen und Anlagen. Diese Hersteller könnten die Nachfrage nicht mehr bedienen. Rohstoffe werden ebenfalls knapp, Indien und China seien da im Vorteil. Und der politische Gegenwind halte an. Zwar scheine der Handelskrieg zwischen den USA und Europa abgewendet zu sein. Aber zwischen den USA und China brenne es lichterloh. Zum Schaden aller Beteiligten, bedauert Klumpp. „Die Anzahl der Vereinfacher in der Politik hat dramatisch zugenommen; leider auch in Deutschland bei der einen oder anderen Partei.“

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