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Politik
Sonntag, 25. Februar 2018 2

Bischöfe: Fall Riekofen schadet Kirche

Kardinal Lehmann sieht keine Möglichkeiten, Missbrauchs-Leitlinien verbindlich zu machen

Der Fall Riekofen beschäftigte die katholischen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Die Kirche habe Schaden erlitten, sagte Kardinal Lehmann (oben, Mitte) zum Abschluss der Tagung. Foto: dpa

FULDA (ddp/is). Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben nach den Missbrauchvorwürfen im Bistum Regensburg ihr Bedauern über sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch Geistliche bekundet. Zugleich zeigten sie sich am Freitag zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung in Fulda entschlossen, gegen solche Fälle vorzugehen.

Den Forderungen, die bereits 2002 beschlossenen Empfehlungen der Bischofskonferenz zum Umgang mit Missbrauchsfällen verbindlich zu machen, wollen die katholischen Oberhirten jedoch nicht nachkommen. Hierfür habe die Bischofskonferenz keine Befugnis, hieß es.

„Vertrauen zerstört“

In den „Leitlinien“ von 2002 ist unter anderem geregelt, dass ein wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Geistlicher nicht wieder in der Seelsorge und damit in der Nähe von Kindern und Jugendlichen Dienst tun darf. Genau dies war aber 2004 im Bistum Regensburg geschehen. Der einschlägig vorbestrafte Peter K. war als Pfarrer von Riekofen (Lkr. Regensburg) eingesetzt worden. Ein Gutachter hatte dem Bistum zuvor bescheinigt, dass der Geistliche keine pädophile Fixierung habe. Dennoch soll sich der Pfarrer mehrmals sexuell an einem Ministranten vergangen haben. Er sitzt deswegen derzeit in Untersuchungshaft.

„Wir können nicht überprüfen und haben auch nicht das Recht dazu, ob die Leitlinien voll ausgeschöpft oder angewendet werden“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, gestern bei der Pressekonferenz. Er habe aber „Vertrauen, dass sich die Bischöfe mit ihren Mitarbeitern nach diesen Empfehlungen richten“. Der Fall im Bistum Regensburg habe der katholischen Kirche sehr geschadet und Vertrauen zerstört, sagte Lehmann. Ein Eingreifen der Bischofskonferenz in den aktuellen Fall lehnte er zugleich aber ab. Dies sei rechtlich nicht möglich. Aus dem Bistum Regensburg gab es dazu gestern keine weitere Stellungnahme. „Kardinal Lehmann hat als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die Ergebnisse der Vollversammlung zusammengefasst, dem ist von Seiten des Bischöflichen Ordinariats in Regensburg nichts hinzuzufügen“, so Bistumssprecher Jakob Schötz.

Die Bewegung „Wir sind Kirche“ kritisierte unterdessen, dass die Bischofskonferenz kein deutlicheres Signal gesetzt habe. Eine Selbstverpflichtung aller deutschen Diözesen zur verbindlichen Einhaltung der Richtlinien gegen Missbrauch wäre die richtige Antwort auf die Ereignisse im Bistum Regensburg gewesen.

Grenzen für lateinische Messen

Während der viertägigen Herbstvollversammlung berieten die 68 katholischen Oberhirten auch, wie die von Papst Benedikt im Juli herausgegebenen Empfehlungen zur Erleichterung von Messen im alten Stil in den Diözesen umgesetzt werden können. Messen in lateinischer Sprache und mit Priestern, die mit dem Rücken zur Gemeinde feiern, sollen nach dem Willen der Bischöfe den sonntäglichen Pfarrgottesdienst nicht ersetzen. Die Zulassung von Messfeiern in der alten Form dürfe zudem nicht zu Spannungen in den Gemeinden führen „oder gar neue Spaltungen hervorrufen“.

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