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Verwirrung

Bischof unter falschem Verdacht

„Spiegel“ sichtete Müller statt bei Papstmesse bei einem Promi-Event mit Fürstin Gloria. Es war eine Verwechslung – mit Folgen.
Von Christine Schröpf, MZ

Berlin/Regensburg. Gerhard Ludwig Müller unter kurzfristigem Verdacht: Der Regensburger Bischof war von „Spiegel online“ angeblich zeitgleich zur Papstmesse im Berliner Olympiastadion im Hauptstadtrestaurant „Grill Royal“ gesichtet worden. Dort wurde am Donnerstag das „Tagebuch einer Prinzessin“ vorgestellt, neuestes Werk aus der Feder von Elisabeth von Thurn und Taxis.

Feiern statt mit Benedikt XVI. zu beten? Die Geschichte sparte nicht mit Details: Der „Bischof“ wurde als „müder, älterer Herr“ im Schlepptau von Fürstin Gloria beschrieben, mit ratlosem Blick in Richtung nackter Frauen auf den Bildern an der Wand. Von ausgestellten Schweinehälften und teurem Kobe-Rind ist die Rede, an denen vorbei der Oberhirte später zum Essenstisch gezogen worden sei.

Der amüsante Text über die Promi-Veranstaltung hat nur einen Schönheitsfehler: Müller betete für alle sichtbar im Stadion, wo sich auch 6000 Pilger aus Ostbayern versammelt hatten. Spiegel-Online hatte den Regensburger Oberhirten mit einem anderen bayerischen Kirchenmann verwechselt: Prälat Wilhelm Imkamp, Direktor der Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild, der – grob betrachtet – ansatzweise eine Ähnlichkeit besitzt. Der Fehler ist inzwischen auf der Spiegel-Homepage korrigiert. Nur die Terminplanung der katholischen Familie von Thurn und Taxis am großen Papstmessen-Abend in Berlin wirft damit weiter Fragen auf.

Fall geklärt, doch nicht vom Tisch: Das Regensburger Bistum – mit dem Spiegel zuletzt in anderer Sache in juristischem Clinch – nutzte die Falschmeldung zu einer kleinen Abrechnung auf der eigenen Homepage. Titel: „Warum man manche Märchen ernst nehmen muss.“ Bistumssprecher Clemens Neck ärgert, dass die einmal in die Welt gesetzte Meldung im Internetzeitalter nicht mehr einzufangen ist und das Gerücht am Bischof kleben bleibt. „Selbst noch nach Jahrzehnten kann man per Stichwort im Spiegelmärchenarchiv die Hinterzimmerphantasien des Spiegelredakteurs nachschlagen.“ Der Bistumsanwalt sei eingeschaltet, sagte Neck am Samstag zur MZ.

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