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„Bürgerlich, idealistisch und ehrgeizig“

Der Regensburger Andreas Barthelmess verleiht einer neuen Generation eine Stimme

Von Harald Rast, MZ

Wie ätzte Alt-Kanzler Helmut Schmidt einst unnachahmlich über die 68er: „Diese Leute bestreiten alles – außer ihrem Lebensunterhalt“. Diese Generation tritt nun langsam in den Ruhestand, der Machtwechsel in Berlin zeigt es. Jetzt rücken die Kinder der 68er in die Führungspositionen. Der junge Regensburger Unternehmensberater Andreas Barthelmess verkörpert diesen Umbruch: „Viele meiner Generation wollen nicht bis zum 35.Lebensjahr in einer Kommune leben – wir sind angetrieben von beruflichem Ehrgeiz“, betont der 26-Jährige im MZ-Interview.

Barthelmess charakterisiert seine Generation als „bürgerlich, idealistisch, wertgebunden und bereit, Verantwortung zu tragen“. Um seiner Altersgruppe eine Stimme zu verleihen, hat er innerhalb des Club of Rome den „Think Tank 30 Deutschland“ gegründet.

Barthelmess lebt das Engagement aktiv vor, das er in seiner Generation ortet. Nach dem Abitur in Regensburg studierte er Volkswirtschaft und Politikwissenschaften in München, Hamburg und an der Sorbonne in Paris. Seine Masterarbeit schrieb er bei Konjunktur-Papst Hans-Werner Sinn, dem Leiter des ifo-Institutes. Derzeit arbeitet Barthelmess für die Unternehmensberatung Roland Berger. In Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) treibt er das Projekt „Land der Ideen“ mit voran. Mit dieser Aktion wird die Werbetrommel für die Fußball-WM gerührt.

Warum tritt ein junger, leistungswilliger, politischer Mensch wie Barthelmess nicht einer Partei bei? „Meine Generation ist nicht unpolitisch, aber parteipolitisch frustriert“, unterstreicht der 26-Jährige. Die Volksparteien bezeichnet er als „reaktionäre Versammlungen“. Barthelmess will sich nicht im „ermüdenden ideologischen Macht-Gezanke der Parteipolitik verirren“ – sich aber dennoch politisch einbringen. Zu diesem Zweck hat er mit Kollegen vom Club of Rome den „Think Tank 30“ ins Leben gerufen – eine Vereinigung von maximal 30 jungen Leuten im Alter um die 30 Jahre.

Der „Think Tank 30“ ist ein Gremium der jungen Generation. Die Arbeitsgruppe hat sich laut Barthelmess dem „Kampf gegen Pessimismus und Schwarzmalerei“ verschrieben. In einem Thesen-Papier fordert sie einen deutlichen Abbau der Staatsquote und die Verringerung der „katastrophal hohen Verschuldung“. Und im Sozialbereich herrsche eine „gefährliche Vollkasko-Mentalität“.

Für die Reform des Föderalismus legt Barthelmess einen ungewöhnlichen Plan vor: Statt 16 Bundesländern solle es nur noch sechs geben: den Hansebund (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen), Brandenburg-Sachsen (Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt), Südrhein-Thüringen (Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen), Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Das wären sechs in etwa gleich starke Bundesländer, die Trennlinien zwischen Ost und West würden verschwinden.

Es sei auch ein Verdienst der 68er, so Barthelmess, dass heute solche provokativen Vorschläge diskutiert würden. Dennoch hält er diese Generation für selbstverliebt. „Die 68er haben den Wohlstand kritisiert – und sich gleichzeitig darauf ausgeruht.“

Informationen im Internet: www.tt30.de

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