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Buntester Pfau der Herde

Der Neo-Neandertaler trägt wieder gerne Pelz. Er trägt wieder Tod. Doch es gibt Hoffnung.
Viktor Gebhart ist Geschäftsführer bei der bundesweiten Tierrechtsorganisation Animals United e. V.

Der Autor ist Geschäftsführer bei der bundesweiten Tierrechtsorganisation Animals United e. V.
Der Autor ist Geschäftsführer bei der bundesweiten Tierrechtsorganisation Animals United e. V.

München.Seit Beginn der Menschheitsgeschichte versucht der Mensch mit allen Mitteln, die Natur zu überwinden und alles „Tierische“ in sich loszuwerden. Er sieht sich gerne als „zivilisiertes“ Wesen und alle anderen Tiere als „primitive“ Kreaturen, die rein instinktiv handeln. Er fühlt sich erhaben über die einfache Natur. Er hat seine primitiven Bedürfnisse unter Kontrolle gebracht und kann sich so Dingen widmen, die vorher nie möglich gewesen wären. Er kann mit höchster Kreativität Dinge erschaffen. Aber auch mit präzisester Brutalität Dinge vernichten. Während er sich ansonsten zunehmend moralisch hochgebildet gibt, greift er bei der ersten kühlen Brise zur Kleidung der weitentfernten Verwandten aus der Eiszeit. Er trägt wieder gerne Pelz. Er trägt wieder Tod. Hier ist es ihm plötzlich nicht mehr wichtig, sich evolviert zu geben. Der Neo-Neandertaler fährt seinen ganz eigenen Film. Sein Titel: „Vorwärts in die Vergangenheit“. Vor zehntausenden Jahren diente Pelz als lebensnotwendiger Schutz vor der eisigen Kälte. Heute scheint unser Überleben gesichert, für den Neo-Neandertaler ist Pelz heute pure Zierde. Es geht darum, der bunteste Pfau der Herde zu sein, gesehen zu werden. Um jeden Preis. Doch der Preis ist hoch. Noch immer sterben jährlich Millionen Tiere für Pelz und Pelzbesätze. Füchse, Waschbären, Kaninchen, aber auch Hunde und Katzen. Erschlagen, erstickt, vergast, lebendig gehäutet. Pelz wächst nicht auf Bäumen. Das Business boomt. Bommel, Kragen, Verzierungen – für nur wenig Geld ist Echtpelz sogar in Ramschläden zu finden, ohne dass Echtpelz auf dem Etikett stehen muss.

Es ist schockierend, wie uninformiert die Masse durchs Leben schreitet und blind irgendwelchen Trends folgt. Nie zuvor wurde derart viel Pelz verkauft wie heute. Das Leid der Tiere ist unvorstellbar. Dem Tier Mensch scheint es egal. Doch es gibt Hoffnung. Wie anfangs erwähnt: Der Mensch ist ein Tier der besonderen Gegensätze. Er kann alles sein und das weitaus extremer als alle anderen Tiere. Ein brutales egoistisches Wesen, aber auch eines, das Verantwortung übernehmen kann. Denn das Mitgefühl und die Moral liegen ebenso in seiner Natur. Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Zeit, dass der Mensch sie übernimmt und dem Echtpelz für immer abschwört!

Der Autor Viktor Gebhart ist Geschäftsführer bei der bundesweiten Tierrechtsorganisation Animals United e. V. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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