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Kommentar

Camerons wacklige Festung

Ein Kommentar von Jochen Wittmann, MZ

Kaum war David Cameron von seiner Südostasientour zurückgekehrt, wartet auf ihn daheim ein handfestes Problem: die Flüchtlingskrise in Calais. Der Premierminister leitete am Freitag eine Sitzung seines Krisenkabinetts Cobra. Viel anzubieten hatte er hinterher aber nicht. Man werde mehr Spürhunde und Zäune nach Frankreich schicken, kündigte der Premier an, und mit den Franzosen „Hand in Hand zusammenarbeiten“. Mit dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande telefonierte Cameron, um die Lage zu erörtern.

Die Flüchtlingskrise wird Chefsache, aber eine Lösung ist nicht in Sicht. Tausende Migranten sind in Calais gestrandet und versuchen jede Nacht den Sprung über den Ärmelkanal. Britische Zeitungen sehen alle Schuld bei den Franzosen und verlangen von ihnen kategorisch, dass sie gefälligst mehr tun sollen: zum Beispiel, das Flüchtlingslager in Calais auflösen, das als Durchgangsstation für den Sturm auf die Festung Großbritannien dient.

Cameron hütet sich, in dieses Horn zu blasen. Er weiß: Stößt er die Franzosen vor den Kopf, könnten die womöglich die Vereinbarung über vorgezogene Grenzkontrollen kündigen und dann hätte der Premier die Flüchtlinge alle in den britischen Fährhäfen. Camerons Strategie kann nur sein, um Solidarität unter EU-Partnern zu bitten und von seinem französischen Amtskollegen eine möglichst weitreichende Kooperationsbereitschaft zu bekommen.

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