MyMz

Corona: Ringen um den richtigen Weg

In der Corona-Krise nimmt die angekündigte neue Normalität Gestalt an. Die Länderchefs ringen um den Königsweg aus der Krise.

Die grundsätzlichen Kontaktbeschränkungen für die Bürger im öffentlichen Raum werden bis zum 5. Juni verlängert. Foto: Stache/dpa
Die grundsätzlichen Kontaktbeschränkungen für die Bürger im öffentlichen Raum werden bis zum 5. Juni verlängert. Foto: Stache/dpa

Berlin.In der Corona-Krise stehen für die Menschen in Deutschland spürbare Lockerungen an. Viel Verantwortung überlässt der Bund den Ländern. In einer Schalte vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs am Mittwoch nach dpa-Informationen, dass sich künftig wieder Angehörige aus zwei Haushalten treffen dürfen, mit Abstand. Die grundsätzlichen Kontaktbeschränkungen für die Bürger im öffentlichen Raum werden bis zum 5. Juni verlängert. Unter Auflagen sollen alle Geschäfte wieder öffnen können, nicht nur die kleineren. Jeder Schüler und jedes Vorschulkind soll vor den Sommerferien zurück in die Schule beziehungsweise in die Kita - Einzelheiten sollen die Länder festlegen. Vereinbart wurde, dass die Notbetreuung in den Kitas spätestens ab dem 11. Mai überall ausgeweitet wird.

VIEL VERANTWORTUNG FÜR DIE LÄNDER

Die Länder entscheiden über eine schrittweise Wiedereröffnung der Gastronomie. Das geht aus dem Beschlusspapier hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Dies gilt auch für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Grundlage sollen gemeinsame Hygiene- und Abstandskonzepte der jeweiligen Fachministerkonferenzen sein. Die Länder sollen in eigener Verantwortung über die schrittweise Öffnung in anderen Bereichen entscheiden. Dazu gehören etwa der Vorlesungsbetrieb an Hochschulen, die Öffnung von Musikschulen, Bars, Clubs und Diskotheken, Messen, Fahrschulen und Kosmetikstudios. Das gilt auch für Theater, Konzerthäuser und Kinos.

Pandemie

Corona: Die aktuelle Lage im Newsblog

Bundesgesundheitsministerium gibt gespendete Tabletten des Medikaments Chloroquin an Pharmabranche zurück. Infos im Newsblog.

BEI VIELEN NEUINFEKTIONEN SOLLEN LÄNDER AUCH WIEDER VERSCHÄRFEN

Die Länder sollen aber auch nötige Verschärfungen garantieren. Sie sollen sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird. In der Schalte hatte es nach Informationen der dpa heftige Diskussionen über diesen Punkt gegeben, weil vor allem die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen diese Obergrenze nicht akzeptieren wollten.

FUSSBALL-BUNDESLIGA STARTET BALD WIEDER

Bund und Länder haben die Erlaubnis für eine Wiederaufnahme von Spielen ohne Zuschauer in der Fußball-Bundesliga ab der zweiten Mai-Hälfte erteilt, wie die dpa aus der Schalte erfuhr. Damit erhält die Deutsche Fußball Liga als Dachorganisation der 36 Proficlubs der 1. und 2. Liga die lange erhoffte Genehmigung für Geisterspiele. Womöglich könnte ab dem Wochenende am 16. und 17. Mai wieder der Ball in den Stadien rollen. Die Bundesliga-Saison ist seit Mitte März ausgesetzt, neun Spieltage sind noch zu absolvieren. Die DFL strebt an, diese bis zum 30. Juni durchziehen zu können.

AUCH BREITENSPORT UNTER FREIEM HIMMEL WIEDER ERLAUBT

Bund und Länder wollen auch den Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel wieder erlauben, wenn auch mit Einschränkungen für einige Sportarten, wie die dpa erfuhr. Es darf danach sportartenspezifisch nach bestimmten, coronabedingten Regeln trainiert werden. Abstandhalten und Kontaktlosigkeit ist dabei aber erstes Gebot: Deshalb darf im Karate und Ringen noch nicht auf der Matte gegeneinander gekämpft und in Mannschaftssportarten wie Basketball oder Handball zunächst nur individuell trainiert werden. Erst schrittweise soll danach in Kleinstgruppen geübt werden und erst am Ende der Corona-Krise wieder Training und Spiele in voller Teamstärke möglich sein.

KNAPP 165 000 CORONA-INFEKTIONEN IN DEUTSCHLAND NACHGEWIESEN

In Deutschland sind bis Mittwochvormittag über 164 800 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden (Vortag Stand 10.15 Uhr: mehr als 164 000 Infektionen). Mindestens 6943 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben (Vortag Stand 10.15 Uhr: 6808). Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Die Reproduktionszahl lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstag bei 0,71. Das bedeutet, dass zehn Infizierte gut sieben weitere Menschen anstecken. Die Reproduktionszahl schwankte in den vergangenen Tagen zwischen 0,7 und 0,8.

PROGNOSE: EU VOR REZESSION HISTORISCHEN AUSMASSES

Die Corona-Pandemie stürzt die Europäische Union in die schwerste Rezession ihrer Geschichte. „Europa erlebt einen ökonomischen Schock, wie es ihn seit der großen Depression nicht mehr gegeben hat“, sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni am Mittwoch zur Frühjahrs-Konjunkturprognose. In der Eurozone könnte die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 7,7 Prozent schrumpfen, in der EU als Ganzes um 7,4 Prozent. Für 2021 wird zwar eine deutliche Erholung vorgesagt, doch wird sie den großen Einbruch noch nicht wettmachen.

CODE VON CORONA-WARN-APP SOLL ALS OPEN SOURCE BEREITSTEHEN

Der Programmcode der angekündigten Corona-Warn-App soll für die Überprüfung durch eine breite Öffentlichkeit veröffentlicht werden. Die App werde transparent als „Open Source“ bereitgestellt, heißt es in dem Beschlusspapier. Sobald eine breit einsetzbare App vorliege, werde es darauf ankommen, dass breite Teile der Bevölkerung diese Möglichkeit nutzen, um zügig zu erfahren, wenn sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten, damit sie schnell darauf reagieren können.

CORONA-KRISE BESCHLEUNIGT RÜCKGANG VON AUSBILDUNGSPLÄTZEN

Die Corona-Krise beschleunigt nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Rückgang der Ausbildungsplätze in Deutschland. Derzeit gebe es ein Minus bei den angebotenen Lehrstellen von knapp acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch in Berlin. Allerdings könne es laut Bundesagentur für Arbeit auch noch zu einem Aufholprozess im August und September kommen, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie besser abschätzbar seien.

CORONA BELASTET AUCH AIRPORT FRANKFURT STARK

Die Corona-Pandemie hat auch den Frankfurter Flughafen voll erwischt. Mit dem weitgehenden Stopp der internationalen Passagierflüge ist die Betreibergesellschaft Fraport umgehend in die roten Zahlen gerutscht und erwartet auch für das Gesamtjahr keinen Gewinn mehr. Inzwischen werden auch wichtige Bauprojekte in Mitleidenschaft gezogen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Nach den ersten drei Monaten des Jahres stand bei dem MDax-Konzern unter dem Strich ein Minus von 29 Millionen Euro - der erste Verlust seit dem Börsengang im Jahr 2001.

REGIERUNGSBERATER GIBT JOB AUF

Wegen einer Affäre mitten in der Corona-Krise hat der britische Top-Wissenschaftler Neil Ferguson seinen Posten als Regierungsberater aufgegeben. Er habe Regeln zur sozialen Distanz durchbrochen, bestätigte Ferguson in einer Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur in London vorliegt. Nach Angaben des „Telegraph“ hatte der Professor trotz der strengen Ausgangsbeschränkungen, zu denen er als Experte wesentlich beitrug, eine Affäre mit einer verheirateten Frau. Die zweifache Mutter soll ihn mehrfach besucht haben, was gegen die Maßnahmen verstieß.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht