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Politik
Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Kommentar

Das alte Lieben und Lästern

Ein Kommentar von Reinhard Zweigler, Berlin-Korrespondent

Deutschland gehe es so gut, weil es Bayern gibt, sagte der künftige Landesvater Markus Söder am Aschermittwoch. Die Beziehungen zwischen Bayern und dem Rest Deutschlands, den „Preißn“ im Norden zumal, sind seit Jahrhunderten spannungsgeladen. 1866 entlud sich der Zwist gar in der blutigen Schlacht bei Königgrätz. Die Bayern verloren an der Seite Österreichs gegen das nach Vorherrschaft strebende und militärisch überlegene Preußen.

Die Abneigung, die Frotzeleien, aber auch die heimliche Bewunderung ziehen sich bis in die Gegenwart. „A Preiß ko nie a Bayer werdn – a Neger aber scho“, warb ein oberbayerisches Brauhaus für sich und traf damit offenbar ein Grundgefühl (und löste eine Rassismusdebatte aus). Die Identifizierung der Bürger mit dem weiß-blauen Freistaat ist größer als in anderen Bundesländern. Während außerhalb Bayerns über Brauchtum, über Lederhose und Dirndl gelächelt und gelästert wird, spotten viele in Bayern über das Unvermögen, einen Flughafen fertig zu bekommen, über unfähige Verwaltungen, schlechte Schulen oder schwache Fußballmannschaften im Norden.

Es ist auch eine gesunde Rivalität zwischen den Bundesländern, die das föderale Deutschland stark gemacht hat. Man braucht sich, man hilft sich, man spottet übereinander. Andere Länder in Europa beneiden uns darum.

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