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Soziales

Das Örtchen: klein, aber unverzichtbar

Der Welttoilettentag erinnert daran, dass immer noch mehr als zwei Milliarden Menschen die Sanitäranlagen fehlen.
Von Mathias Anderson, Geschäftsführer der arche noVa in Dresden

Mathias Anderson leitet die Hilfsorganisation arche noVa in Dresden. Foto: Anderson/arche noVa
Mathias Anderson leitet die Hilfsorganisation arche noVa in Dresden. Foto: Anderson/arche noVa

Regensburg.Hätten Sie’s gewusst? Am 19. November jährt sich zum 19. Mal der Welttoilettentag. Ein Datum, was man jetzt nicht zwingend an die große Glocke hängen würde. Aber ehrlich, wenn es nicht so wichtig wäre, würde ich Sie auch nicht gerade am Frühstückstisch damit behelligen. In unserer Arbeit als internationale Hilfsorganisation sind die Themen Sanitärwesen und Hygiene, direkt in Verbindung mit Wasser, ein zentrales Anliegen. Denn eine eigene Toilette zu haben, ist längst nicht überall so selbstverständlich wie bei uns.

„Zwei richtige Sitztoiletten mit einem Knopf für die Spülung – das ist wie in einem Hotel.“

Hij Indakwita

Mehr als 2,3 Milliarden Menschen fehlt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jegliche Sanitärversorgung. Jährlich sterben schätzungsweise 829.000 Menschen an Durchfallerkrankungen infolge von unsauberem Wasser, unzureichenden sanitären Einrichtungen und mangelnder Handhygiene. Welche Begeisterung daher der Bau eines neuen Klohäuschens auslösen kann, durfte ich gerade mehrfach in Indonesien erleben. Auf der Insel Sulawesi, dort, wo vor gut einem Jahr ein Tsunami gefolgt von einem Erdbeben ganze Landstriche schwer verwüstete, baut arche noVa gemeinsam mit einer lokalen Partnerorganisation zahlreiche neue Toiletten. In der Provinz Sigi freuen sich die knapp 100 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der Inpres Kaleke-Grundschule über neue Sanitäranlagen: Ein gelb-rotes Häuschen mit Rosenmotiven zur Lüftung und Lichtkacheln über der Tür. Und drinnen: „Zwei richtige Sitztoiletten mit einem Knopf für die Spülung – das ist wie in einem Hotel“, sprudelte es aus Hij Indakwita heraus. Die 53-jährige Lehrerin kann es kaum erwarten, nicht mehr zu den alten Hocktoiletten laufen zu müssen. „Schon wegen meiner Knie“, scherzt sie.

Gesundheit

Toiletten als kulturelles Problem

Viele Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberen Toiletten – darauf weisen die UN mit dem Welttoilettentag hin.

In der Nachbarprovinz Doggala ist die zehnjährige Hafizah froh, dass es bald neue Toiletten für Mädchen und Jungen gibt, wo man sich sogar die Hände mit Seife waschen kann. „Das riecht so schön“, strahlt Hafizah. Ein kleines Glück für eine Zehnjährige in Indonesien. Und obwohl Sanitärversorgung eines der globalen Nachhaltigkeitsziele ist, fehlt es allein 620 Millionen Kindern an Schulklos, knapp 570 Millionen haben kein Trinkwasser. Für uns als humanitäre Helfer ist das Auftrag und Ansporn zugleich. Auf Sulawesi wird derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig gebaut, in Schulen sowie Gemeinden und immer mit dem Fokus, Allen das Recht auf ein stilles Örtchen zu ermöglichen – sauber, barrierefrei und schnell zu erreichen. Denn beim Thema Toilette ist es meistens eilig.

Hier geht es zu unserem Special „Außenansicht“

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