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Den digitalen Wandel wagen

Der Einzelhandel wurde bereits von der Digitalisierung revolutioniert. Die Logistik hingegen hinkt noch hinterher.
Von Christian Wilhelm, Unternehmer

Überall schreitet die Digitalisierung voran – in der Logistik leider nur schleppend. Ein Plädoyer für mehr Mut.

Ob Pizza, Kleidung oder Windeln – heute bestellen wir so gut wie alles online. Längst haben wir uns an den „Amazon-Effekt“ gewöhnt, also daran, dass unsere Wunschprodukte immer und überall verfügbar sind und am besten noch heute statt morgen geliefert werden. Dank Sendungsverfolgung wissen wir zudem immer, wo sich unsere Ware gerade befindet. Doch nicht nur der Einzelhandel wurde von der Digitalisierung revolutioniert. Auch bei Vergleichsportalen profitieren wir enorm, beispielsweise bei Hotel- oder Flugbuchungen: Einfach die Wunschdaten eingeben und das Vergleichsportal liefert uns in Sekunden Ergebnisse – dank riesiger Datenmengen, die anhand smarter Algorithmen durchsucht werden.

Wie kann es also sein, dass in der Logistik immer noch der Großteil des Frachtvolumens offline eingekauft wird? Die Logistik ist immerhin eines der größten Ökosysteme der Welt. Sie verbindet den globalen Handel miteinander zu einem gigantischen Netzwerk. Und trotzdem wird weiterhin fleißig miteinander telefoniert und mit Excel-Tabellen gearbeitet, um Aufträge zu bekommen und Angebote zu erhalten. Ein langwieriger Prozess, der viel Energie in Anspruch nimmt, die sinnvoller eingesetzt werden könnte. Als hätte es die digitale Revolution nie gegeben. Dabei bieten digitale Werkzeuge wie Künstliche Intelligenz oder Machine Learning der Logistik genau die Möglichkeiten, die wir aus anderen Bereichen bereits kennen. Die modernen Modelle des Online-Shoppings etwa können problemlos auf die Transportbranche übertragen werden.

Die gute Nachricht: Der Wandel hat bereits begonnen. Langsam, aber sicher rütteln immer mehr Startups die Logistik aus ihrem Dornröschenschlaf wach – mit frischen Ideen und innovativen Konzepten, die von großen Investoren mit Millionensummen unterstützt werden. Neue Plattformen und Software könnten Verlader mit den passenden Beförderern verbinden und Frachtvolumen digital einkaufen. Live-Tracking bietet Kunden schon jetzt die Möglichkeit, ein Auge auf ihre Ware zu behalten, egal, wo sie sich gerade auf der Welt befindet. Jetzt müssen nur noch mehr Menschen davon überzeugt werden. Denn erst dann ist die Logistik bereit für die Zukunft.

Der Autor ist CEO und Gründer eines Startups.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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