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Konzert

Der Atem passt beim Musizieren

Bratsche und Klavier beim Finale der Museumsserenaden
von Gerhard Dietel

Hiyoli Togawa und Matan Porat spielten in der Minoritenkirche. Foto: Dietel
Hiyoli Togawa und Matan Porat spielten in der Minoritenkirche. Foto: Dietel

Regensburg.Wo man im Deutschen sagt „Die Chemie stimmt“, heißt es im Japanischen „Der Atem passt“, erklärt Bratscherin Hiyoli Togawa, die japanische Wurzeln hat, dem Publikum in der Minoritenkirche. In der Tat: Der Atem passt vorzüglich zwischen ihr und dem Pianisten Matan Porat bei dieser letzten der diesjährigen „Museumsserenaden“. Mit kammermusikalischen Tönen wurde der weite Kirchenraum dennoch gefüllt.

Der Atem passt, doch nicht immer die Dynamik. Bei Bachs G-Dur-Sonate, ursprünglich für Gambe bestimmt, zieht die Bratsche im Dialog und im kanonischen Miteinander der Oberstimmen oft den Kürzeren. Ihr gedeckter Klang verschwimmt in der Akustik der Minoritenkirche, während sich das Non-Legato-Spiel Matan Porats klar und scharf herauszeichnet. Zum Höhepunkt wird hier darum das sanfte „Andante“, gleichförmig bewegt, doch voller harmonischem Reichtum und zarter Abschattierungen.

Besser wirkt die Klangbalance bei den übrigen Werken des Abends, vor allem, als nach der Pause der Flügeldeckel abgesenkt wird. Wie Bachs Gambensonate sind sie meist nicht im Original für die Bratsche bestimmt, ausgenommen Joseph Joachims „Hebräische Melodien“, aus denen die beiden Künstler das „Sostenuto“ vortragen, dunkel beginnend, dann an Intensität wachsend und schließlich in zwei Pizzicato-Akkorden wieder ersterbend.

In Robert Schumanns op. 70 entfalten Hiyoli Togawa und Matan Porat schwelgerischen romantischen Gesang, bevor das Anfangs-Adagio in ein agiles Allegro mündet. Nicht zu verkennen freilich: Dessen im Original dem Horn zugedachtes Hauptthema vermag auf der Bratsche seinen schmetternden Charakter nur bedingt zu entwickeln.

Ursprünglich für Klarinette schrieb Johannes Brahms seine beiden späten Sonaten op. 120, doch schnell haben sich die Bratscher der beiden Werke angenommen. Einige für Brahms typische Kraftausbrüche ausgenommen musizieren Hiyoli Togawa und Matan Porat den Kopfsatz der Es-Dur-Sonate vorwiegend lyrisch, gestalten das folgende „Allegro appassionato“ als wuchtige balladeske Erzählung und geben den folgenden Variationen ganz unterschiedlichen Charakter, mal versonnen, mal beredt, mal grimmig-entschlossen.

Kantiger wirkt in ihrer Interpretation anfangs das Brahms’sche Schwesterwerk in f-Moll, findet jedoch später überraschend zu ausgelassenen, geradezu juchzenden Ländler-Tönen. Der Schlussbeifall des Serenaden-Publikums wird mit einer Zugabe belohnt: Rachmaninows mit wohldosiertem Sentiment vorgetragener „Vokalise“.

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