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Politik
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Premiere

Der Praliné-Soldat als Antiheld

Oscar Straus‘ Operette „Der tapfere Soldat“ lebt aus dem Kontrast.
Von Gerhard Heldt

„Der tapfere Soldat“ ist die jüngste Produktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz Foto: Sven Hoppe/dpa
„Der tapfere Soldat“ ist die jüngste Produktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz Foto: Sven Hoppe/dpa

München.Von Oscar Straus, der sich, um sich von der Strauss-Dynastie zu unterscheiden, mit nur einem „s“ schrieb, kennt man außer dem „Walzertraum“ kaum etwas. George Bernard Shaws Parodie auf das Militär „Helden“ kennen die Älteren vielleicht noch in der Verfilmung mit O. W. Fischer und Lilo Pulver. Straus‘ Shaw-Adaption wiederzubeleben, ist das Anliegen der jüngsten Produktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Hierzu wurde der renommierte Opernregisseur Peter Konwitschny verpflichtet, der mit seinem Ausstatter Johannes Leiacker eine Mischung aus Antikriegs-Demo und Operetten-Nonsens gekonnt auf die Bühne brachte.

Shaws scharfsinnige Ironie verschwindet bei Straus in zwar gut komponierter, aber letztlich harmloser Melodienseligkeit, die dem brisanten Gehalt der Uraufführungszeit 1908 in immer neuer Schwelgerei alle Spitzen kappt. Der Krieg zwischen den seinerzeit unbedeutenden Balkanstaaten Bulgarien und Serbien gerät zur Folie für Unwahrscheinlichkeiten wie sie nur die Oper, mehr aber noch die Operette kennen. Der Titelheld, „tapferer „Praliné-Soldat“, entpuppt sich schließlich als superreicher Waffenhändler aus der Schweiz; kein Wunder, wenn die echt liebende Nadina an diesem „Helden“ am Ende kein Interesse mehr hat. Konwitschny verweigert dem Stück konsequent das Happy End, ohne den Inhalt gewaltsam zu verändern. Er verweist darauf, dass Krieg allgegenwärtig ist, wenn auch nicht durchgehend in seiner grausamsten Form, sondern in der ironisch abgemilderten Lesart Shaws. Das gibt dieser Inszenierung ihren Sinn und ihre Bedeutung; Leiackers karge Bühne und seine opulenten Kostüme bilden den Kontrast, aus dem dieses Werk lebt. Dass dem Regieteam zum Schluss die klare Linie ins Klamottige entgleitet, bleibt unverständlich.

Die Musik von Oscar Straus zeigt kaum eine Affinität zu seinen Zeitgenossen. Er instrumentiert sparsamer als Lehár, trifft aber dessen Klangsprache vielleicht mehr, als es ihm lieb ist. Er liebt schwärmerische Eleganz ebenso wie eingängige, liedhafte Melodik und balladeske Strophenlieder. Dem Orchester des Gärtnerplatztheaters liegt diese Musik hörbar; nach leicht zögerlichem Beginn gelingt Chefdirigent Anthony Bramall eine überzeugende musikalische Interpretation ohne Effekthascherei und falsches Pathos. Der nur wenig geforderte Chor (Einstudierung Karl Bernewitz) sang mit gewohnter Zuverlässigkeit.

Star des Abends war Sophie Mitterhuber als Nadina: gesanglich wie darstellerisch souverän mit schier unglaublicher Bühnenpräsenz. Ihr gleich Jasmina Sakr als Zofe Mascha. Ann-Katrin Naidu zeichnete ein großartiges Rollenporträt der Oberst-Gattin Aurelia. Daniel Prohaska war ein stimmprächtiger Bumerli, Maximilian Mayer glänzte als Nadinas Verlobter Alexis mit tenoralem Schmelz. Hans Gröning und Alexander Franzen als Oberst Popoff und Hauptmann Massakroff chargierten bisweilen allzu sehr, behielten aber stets ihre gesangliche wie komödiantische Linie im Auge.

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