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Justiz

Der tiefe Fall des Harvey Weinstein

Der Filmmogul muss sich in New York vor Gericht wegen Vergewaltigung verantworten. Weitere Anklagen warten noch auf ihn.
Von Thomas Spang

Von Polizeibeamten begleitet und in Handschellen verlässt Harvey Weinstein das Polizeigebäude. Foto: Smith/afp
Von Polizeibeamten begleitet und in Handschellen verlässt Harvey Weinstein das Polizeigebäude. Foto: Smith/afp

New York.Routiniert schreitet der untersetzte Herr mit dem kurzrasiertem Haupt nach dem Aussteigen aus einem SUV durch ein Spalier an Reportern und Fotografen. Doch das Blitzlicht-Gewitter begleitet den weltberühmten Hollywood-Produzenten nicht wie in der Vergangenheit auf dem roten Teppich zu einer Oscar-Verleihung, sondern direkt in ein Polizeigebäude von Lower Manhattan.

Statt Smoking trägt Harvey Weinstein einen himmelblauen Sweater. Als stellte er sich auf einen längeren Aufenthalt ein, klemmen unter seinem Arm drei Bücher.

Eine Million Dollar Kaution

Die Bücher kann er nach Ende der Anklageerhebung auf dem Weg nach draußen nicht mehr tragen. Seine Gelenke liegen hinter dem Rücken in Handschellen. Unter der Hose trägt er eine Fußfessel. Der Angeklagte musste eine Kaution von einer Million Dollar hinterlegen, seinen Pass abgeben und darf sich ohne Erlaubnis nicht mehr außerhalb der US-Bundesstaaten New York und Connecticut bewegen. Der nächste Gerichtstermin ist für den 30. Juli angesetzt.

Drinnen in dem Polizeigebäude verlas die Staatsanwaltschaft ihre Anklage. Es geht um die ersten beiden Fälle von inzwischen mehr als einhundert Frauen, die Weinstein kriminelles sexuelles Fehlverhalten vorhalten.

Ins Rollen brachte den Weinstein-Skandal der Fall der Schauspielerin Lucia Evans, die den Produzenten beschuldigt, sie 2004 zum Oral-Sex genötigt zu haben. Evans hatte die Vorwürfe dem Magazin „The New Yorker“ anvertraut, das parallel zur New York Times im Oktober über die lange bekannten Gerüchte berichtete. Die heute 36-Jährige soll seinerzeit von einer Assistentin Weinsteins in das Miramax-Büro im New Yorker Stadtteil Tribeca bestellt worden sein. Statt eines angeblichen Treffens mit anderen Cast-Mitgliedern fand sie sich dort allein mit dem dreißig Jahre älteren Mann wider. Der Produzent soll das Nachwuchstalent erst verbal erniedrigt und dann zu oralem Verkehr gedrängt haben. ‚Ich will das nicht“, sagte sie laut New Yorker. Doch Weinstein drängte sich ihr auf: „Ich wollte mich wehren, doch dann habe ich aufgegeben.“

In dem anderen Fall bleibt die Identität des mutmaßlichen Opfers geschützt. „Die heutige Anklage zeigt bedeutenden Fortschritt in dieser andauernden Untersuchung“, erklärte Staatsanwalt Cyrus Vance bei der Klageerhebung. Er forderte weitere potentielle Opfer Weinsteins auf, sich gegebenenfalls zu melden.

Anwalt weist Vorwürfe zurück

Star-Verteidiger Ben Brafman wies die Beschuldigungen gegen seinen Mandanten zurück. „Herr Weinstein hat immer gesagt, dass er niemals nicht-einvernehmlichen Sex mit jemanden hatte.“ Er behaupte weiterhin seine Unschuld und sei sich sicher, „komplett entlastet zu werden“.

Gegen den 66-Jährigen hängen in anderen Fällen Ermittlungen in Los Angeles, auf Bundesebene und in London an. Schwere Vorwürfe erheben auch Stars wie Ashley Judd, Rose McGowan, Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. In Folge der Anschuldigungen brachen Dutzende Schauspielerinnen unter dem Hashtag #MeToo ihr Schweigen und fügten ihre Namen zu der Liste der Frauen hinzu, die den Mut gefunden hatten, gegen den mächtigen Produzenten Zeugnis abzulegen. Daraus entwickelte sich eine internationale Frauenbewegung gegen Belästigung und das Wegschauen bei Sexualdelikten.

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