mz_logo

Politik
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Lebensmittel

Die Agrarpolitik überdenken

Die Christliche Initiative Romero kritisiert den Import von Billighühnchen aus Brasilien und mahnt ein Umdenken an.
Sandra Dusch Silva

Sandra Dusch Silva Referentin für Arbeitsrechte, Ethischen Konsum und Supermärkte bei der Christlichen Initiative Romero. Foto: Isabell Ullrich
Sandra Dusch Silva Referentin für Arbeitsrechte, Ethischen Konsum und Supermärkte bei der Christlichen Initiative Romero. Foto: Isabell Ullrich

Am 20. Januar werden in Berlin wieder tausende Menschen unter dem Motto „Wir haben es satt“ für einen umfassenden Wandel in der Agrarpolitik demonstrieren. Was sie gegen die Agrarindustrie auf die Straße bringt, zeigt unter anderem eine aktuelle Studie der Christlichen Initiative Romero (CIR). Deren brasilianische Partnerorganisation Repórter Brasil hat zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen interviewt, die unter anderem für die Chicken Nuggets deutscher Supermärkte im Akkord Hähnchen zerstückeln.

Chicken Nuggets sind in Deutschland heiß begehrt. Jeder dritte Erwachsene isst sie mehrmals im Monat. Supermärkte und Discounter wollen daran mitverdienen. Um billig zu bleiben, drücken sie die Preise in der Produktion – auch in Brasilien. Nirgendwo sonst werden mehr Tiere geschlachtet: knapp sechs Milliarden Hühner pro Jahr. Und aus keinem anderen Nicht-EU-Staat importiert Deutschland mehr verarbeitetes Geflügel.

Unter diesem Preisdumping leiden die Menschen, die in den brasilianischen Schlachthäusern arbeiten: Sie machen immer gleiche Bewegungen mit scharfen Instrumenten, das Tempo ist mörderisch, die Umgebung bitter kalt. Die Folgen sind Schnittwunden, Arbeitsunfälle, chronische Gelenkschmerzen bis hin zur Berufsunfähigkeit. Selbst das Anziehen oder Zähneputzen wird zur schmerzenden Qual. Dafür erhalten sie monatlich umgerechnet 250 Euro. Externe Kontrollen bringen wenig, wie ein Mitarbeiter von JBS, dem größten Fleischproduzenten der Welt, berichtet: „Da sie die Geschwindigkeit der Produktion an Kontrolltagen verlangsamen, müssen wir an diesen Tagen bis zu drei oder vier Stunden länger arbeiten, um das Tagessoll zu erfüllen“.

Höchste Zeit für eine Rundumerneuerung der Agrarindustrie. Der Einzelhandel und die Hersteller dürfen nicht länger auf Kosten der Arbeiter und Arbeiterinnen Rekordgewinne einfahren. Regierungen – sowohl in den produzierenden als auch in den konsumierenden Ländern – müssen den Einzelhandel und die Hersteller gesetzlich verpflichten, Menschen- und Arbeitsrechte in der Wertschöpfungskette einzuhalten und Verantwortung für verursachte Umweltprobleme zu übernehmen.

Der Autorin ist Referentin für Arbeitsrechte, Ethischen Konsum und Supermärkte bei der Christlichen Initiative Romero. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht