MyMz

Außenansicht

Die Erinnerung wach halten

Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges werden weniger. Der Verein Memoro will Erinnerung für kommende Generationen bereitstellen.
Von Nikolai Schulz, Memoro-Vorsitzender

Der Autor ist Gründer des deutschen Memoro-Ablegers und Vereinsvorsitzender. Foto: Rohrer
Der Autor ist Gründer des deutschen Memoro-Ablegers und Vereinsvorsitzender. Foto: Rohrer

Peter Jacobi berichtet in dem fünfminütigen Video „Er störte als Protestant an dieser Giesinger Schule“ aus seiner Jugend in München Giesing. Giesing, damals als Glasscherbenviertel und Vorstadt tituliert, war ein sehr rauer Arbeiterbezirk. Blutige Schlägereien vor Kneipen waren an der Tagesordnung. Er musste als einziger Protestant unter 800 Katholiken die Grundschule am Agilolfingerplatz verlassen. Sein Vater und ein Nachbar waren die Einzigen in der Straße, die im Anzug zur Arbeit gingen. In der gesamten Claude-Lorrain-Straße gab es einen einzigen PKW, ein Mercedes mit roten Polstern des Juweliers Bausewein, der in der Beletage wohnte und ein Dienstmädchen hatte. Es wurde, im Gegensatz zu heute, nur Bayrisch gesprochen. Amüsant auch sein Bericht über den damals noch herrschenden Kuppelparagraphen, bis 1970! „Memoro – Die Bank der Erinnerungen“ ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, den Erfahrungsschatz Älterer an Jüngere weiterzugeben. Mittels Videoaufzeichnung von Interviews entsteht ein Online-Zeitzeugenarchiv der sogenannten Oral History. Memoro fördert den Generationendialog und führt Senioren an das Internet heran. Auf der Internetseite der Initiative erzählen Menschen ab 60 Jahren in kurzen Videoclips, wie sie zum Beispiel die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt haben. Sie erzählen von gesellschaftlichen und politischen Ereignissen oder von persönlichen Dingen wie dem ersten Kuss. Auf diese Weise möchte Memoro die Erinnerung an die Geschichte, Traditionen und Lebensweisen lebendig halten und für kommende Generationen bereitstellen.

Die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges und der Aufbaujahre werden leider immer weniger und das Erzählte soll vermeiden, dass sich die Geschichte wiederholt. Memoro wurde 2008 in Turin, Italien, gegründet und ist inzwischen in 16 Ländern aktiv. Ein Layoutupdate der Website auf ein „Responsive Design“, optimiert für Mobilgeräte, wurde begonnen. Für das Unterprojekt „Giesinger Geschichten“ wurden Senioren gesucht, die ihr Wissen zu Giesinger Themen teilen wollten. Gefördert wurden die „Giesinger Geschichten“ mit Mitteln der Städtebauförderung im Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt“ und mit Mitteln der Landeshauptstadt München.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht