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Die FDP auf Lambsdorffs Spuren

Parteichef Christian Lindner sieht trotz desaströser Bilanz keinen Grund für Trübsal. Sein Ziel ist die Bundestagswahl 2017.
Von Tim Braune, dpa

Für Christian Lindner zählt nur die Bundestagswahl 2017.
Für Christian Lindner zählt nur die Bundestagswahl 2017. Foto: dpa

Berlin.Christian Lindner hält seine rechte Handfläche hoch: „Ganz trocken.“ Gerade ist der FDP-Chef gefragt worden, ob er feuchte Hände bekommt, wenn er an die Umfragewerte von zwei bis drei Prozent denkt. Mehr als 15 Monate seit dem historischen Rauswurf aus dem Bundestag will Lindner den trüben Ist-Zustand seiner Partei am liebsten einfach wegwischen. An seinem Horizont ist nur ein Ziel wichtig: Allein 2017 zählt, das Jahr der nächsten Bundestagswahl.

Zunächst aber dreht sich der 35-Jährige im Kreis. Auf einer nach allen Seiten offenen Bühne, die wie eine kleine Version des 360-Grad-Podiums von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aus dem letzten Wahlkampf aussieht, begrüßt Lindner am Sonntagvormittag die über 200 Gäste, die zum „Freiheitskonvent“ gekommen sind. Auch Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr zeigt sich. So einen Andrang gab es zuletzt vor vielen Jahren, als es im Thomas-Dehler-Haus noch Siege zu feiern gab.

Lindner redet seinen Leuten ins Gewissen. Das hier sei keine Versammlung von Trauerklößen. „Niemals“, ruft zur Bestätigung ein junger Mann in den Saal. Aber wie will Lindner jene Mitglieder motivieren, die in ein paar Monaten in Hamburg (Februar) und Bremen (Mai) der Häme trotzend im kalten Wind in Fußgängerzonen und an S-Bahnhöfen stehen, um die Bürger von der neuen FDP zu überzeugen?

Das FDP-Lebensgefühl

Die Wahlkämpfer sollen dann eine Geschichte erzählen, rät der Chef, der am kommenden Sonntag genau ein Jahr an der Parteispitze stehen wird. Vom unschlagbaren Gefühl, wie man die erste eigene Wohnung bezogen, den Flur gestrichen und dabei gedacht habe: „Das sind meine vier Wände, keiner kann mir was sagen.“ Das sei das FDP-Lebensgefühl. Sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Nicht auf den Staat zu warten. Das zielt auf die große Koalition. Lindner wirft Union und SPD vor, selbstverliebt Deutschlands Stärken zu verspielen.

Weniger Staatsgläubigkeit, mehr Marktwirtschaft und klare Ansagen: Klingelt da was? Lindner scheint sich immer deutlicher in der Spur von Otto Graf Lambsdorff zu bewegen. Der 2009 gestorbene „Marktgraf“ ist nicht nur in der FDP eine Legende. Mit seinem „Wendepapier“ von 1982 für eine marktwirtschaftliche Erneuerung Deutschlands schrieb der damalige Wirtschaftsminister Geschichte. Davon sind Lambsdorffs liberale Erben derzeit zwar meilenweit entfernt – dennoch könnte der von manchen als zu lang empfundene Selbstfindungsprozess unter Lindner nun in eine klare strategische Ausrichtung münden.

Bei der FDP glauben sie, dass die Partei mit Blick auf die nächste Bundestagswahl – und Schlüsselwahlen in den Ländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein – vor allem CDU- und Nichtwähler überzeugen muss. Aber wo bleibt die Machtperspektive? Lindner muss es schaffen, dass in drei Jahren neben Schwarz-Grün, einer Fortsetzung der großen Koalition oder Rot-Rot-Grün auch die Option Schwarz-Gelb wieder im Schaufenster liegt.

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