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Politik
Freitag, 20. April 2018 27° 2

Kommentar

Die Freiheit des Einzelnen

Ein Kommentar von Marianne Sperb, MZ

Carles Puigdemont hat alles riskiert – und alles verloren. Mit seiner Flucht nach Belgien – oder wie sonst soll man es nennen, wenn jemand am Tag der Anklageerhebung ins Ausland abdampft? – hat sein Scheitern im Kampf um Unabhängigkeit besiegelt.

Der Mann, der die Freiheit der Region auch mit ungesetzlichen Mitteln durchboxen wollte, zieht nun die eigene Freiheit vor. Immerhin: Bis zu 30 Jahre Haft drohen dem abgesetzten Regionalpräsidenten in Spanien. Dass er aus dem Zufluchtsort Brüssel behauptet, sich jedem fairen rechtsstaatlichen Verfahren stellen zu wollen, klingt seltsam dünn aus dem Mund eines Politikers, dem Rechtsstaatlichkeit zuletzt keinen Pfifferling wert war.

Als Geflüchteter hat Carles Puigdemont das Potenzial verspielt, von Separatisten in Katalonien zum Märtyrer stilisiert zu werden. Mariano Rajoy wird sich die Hände reiben. Dabei hat auch der Ministerpräsident eine üble Rolle in dem Unabhängigkeitsdrama eingenommen. Sein Vorgehen, inklusive brutaler Polizeigewalt während des Referendums, ließ die Krise eskalieren.

Carles Puigdemont ist über alle Berge, aber die Probleme in seiner Heimat sind damit nicht gelöst. Spanien und Europa blicken auf Rajoy. Er muss nun zeigen, dass er es versteht, alle Spanier zu respektieren und sie hinter den gemeinsamen Zielen des Königreichs zu vereinen. Und damit steht nach wie vor viel auf dem Spiel.

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