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Bildung

Die neue digitale Schulwelt

Wir brauchen eine hochwertige Internet-Ausstattung in den Schulen. Das allein wird das Lernen jedoch nicht revolutionieren.
Von Heinz-Peter Meidinger

Heinz-Peter Meidinger ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.
Heinz-Peter Meidinger ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Berlin.Vor kurzem hat die Bertelsmann-Stiftung eine Studie zu „Schulen im digitalen Zeitalter“ vorgelegt. Darin, aber auch in den schulischen Zukunftsszenarien von Google, Apple und Microsoft wird das Bild einer wunderbaren digitalen Zukunft unserer Schulen gezeichnet, das Bild eines digitalen Schulparadieses, in dem Erklärvideos die Lehrerrolle übernehmen, soziale Netzwerke die Lehrer-Schüler-Kommunikation ersetzen, Computergames den Stoff vermitteln und jeder jederzeit sein Smartphone im Unterricht benutzen darf. Digitale Medien werden als Zaubermittel zur Bewältigung pädagogischer Herausforderungen wie Inklusion, Ganztag oder individuelle Förderung angepriesen. Ein Hindernis seien allenfalls die angeblich in der analogen Vergangenheit steckengebliebenen Lehrerinnen und Lehrer.

Um nicht falsch verstanden zu werden oder als Digitalmuffel dazustehen: Es ist vollkommen klar, dass unser Bildungswesen, dass unsere Schulen die Aufgabe haben, unsere Kinder und Jugendlichen auf eine Welt vorzubereiten, in der die Digitalisierung zunehmend alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt.

Dazu gehört, dass unsere Schülerinnen und Schüler fit werden im Umgang mit modernen Medien, Einblick gewinnen in die Funktionsweise von Algorithmen und Programmiersprachen, dass sie aber auch ein hohes Maß an Medienkompetenz aufweisen, um beispielsweise nicht gleich auf Fakenews und so manchen Informationsschrott im Internet hereinzufallen. Es ist aber ein Irrtum anzunehmen, dass in dieser neuen digitalen Schulwelt Wissen eine immer geringere Rolle spielen werde, weil man ja alles googeln könne. Nur wer über Wissen verfügt, wird im Internet Wesentliches von Unwichtigem und Falsches von Wahrem unterscheiden können. Oder anders gesagt: Wer nichts weiß, muss alles glauben.

Wir brauchen Schulen mit einer hochwertigen digitalen Ausstattung. Genauso dringend benötigen wir eine professionelle Wartung der immer komplexeren IT-Systeme an Schulen. Leider liegt da noch vieles im Argen. Weil es an einer professionellen Betreuung der Schulcomputer fehlt, sind nach unseren Erhebungen viele Geräte und Systeme entweder nicht einsatzfähig oder sehr fehleranfällig. Wir fordern auch eine verstärkte Lehrerfortbildung im Umgang mit digitalen Unterrichtsmedien und der dafür entwickelten pädagogischen Software.

Schlechter Unterricht wird zwar durch Digitalisierung nicht besser, aber guter Unterricht kann von der neuen Technik methodisch profitieren.

Dringend gewarnt werden muss aber vor einer Digitalisierungseuphorie, die glaubt, die Digitalisierung werde das Lernen revolutionieren, Lernergebnisse automatisch verbessern und letztendlich Lehrkräfte und Schulgebäude langfristig überflüssig machen. Gerade in einer Welt unglaublich riesiger verfügbarer Informationsmengen sind und bleiben Schule und Lehrkräfte unverzichtbar als zentrale Vermittlungsinstanzen, und zwar nicht nur von Wissen, sondern auch von Werten und von Orientierung.

Im Übrigen, auch die Schüler sehen die Chancen und Grenzen der Digitalisierung ohne Euphorie . Nur eine kleine Minderheit möchte laut der oben erwähnten Bertelsmann-Studie, dass WhatsApp, Instagram und Snapchat in der Schule öfter eingesetzt werden. Sie möchten nämlich nicht, dass schulische Themen über soziale Netzwerke in ihre Freizeit eindringen!

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