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Politik
Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

Kommentar

Die Trumpfkarte der Windsors

Ein Kommentar von Jochen Wittmann

Es ist eine Premiere für die Windsors: Die Heirat von Prinz Harry mit der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle markiert den Punkt, wo die Königliche Familie ein wenig mehr wie das Großbritannien aussieht, das sie repräsentiert. Denn mit Meghan Markle bekommen die Royals erstmals ein Mitglied mit ethnisch gemischten Wurzeln. Die Ur-Ur-Ur-Ur-Enkelin eines afroamerikanischen Sklaven wird in den höchsten Rang des britischen Establishments aufgenommen. Und kaum einer auf der Insel stört sich an der Hautfarbe der Braut. Warum auch, immerhin ist das Land auf dem besten Weg in eine multikulturelle Gesellschaft. Hatten sich im Jahr 1989 noch die Hälfte der weißen Briten gegen eine Heirat mit einem Schwarzen oder Asiaten ausgesprochen, waren es 2013 nur 25 Prozent. Die Eheschließung von Harry und Meghan dürfte dabei helfen, die Vorurteile weiter abzubauen.

Der afroamerikanische Hintergrund von Meghan ist nur eine Facette ihrer Mitgift, die dem Königshaus helfen wird, im 21. Jahrhundert anzukommen. Meghan ist außerdem: Amerikanerin, geschieden, sie machte eine erfolgreiche Karriere als Schauspielerin und als humanitäre Aktivistin und sie hat als 36-Jährige reichlich Lebenserfahrung gesammelt. An der Seite von Harry wird sie ein positives Image der Monarchie projizieren: jung, zeitgemäß, liberal, aufgeschlossen, locker und volksnah. Und dazu sehen die beiden auch noch ziemlich gut aus.

Die Monarchie bekommt ein neues Aushängeschild. Nicht mehr die älteren Generationen wie die Queen und ihr Prinzgemahl Philip stehen im Vordergrund, und auch nicht der Thronfolger Prinz Charles und seine Frau Camilla. Stattdessen rückt ein Team ins Rampenlicht, das neben Harry und Meghan aus dem Kronprinzen William und seine Frau Kate besteht. Die letzte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos Mori ist da sehr aufschlussreich: Der Lieblings-Royal der Briten ist nicht mehr die Queen, sondern Prinz Harry mit 42 Prozent. Erst danach kommt Elizabeth II. mit 32 Prozent, gefolgt von William (30 Prozent), Kate (27 Prozent) und Meghan (16 Prozent). Den Thronfolger Charles schätzen neun Prozent der Briten als beliebtesten Royal.

Meinungsumfragen ändern sich, und wenn Charles dereinst König wird, dürfte er auch wieder an Popularität gewinnen. Aber es gibt keinen Zweifel, dass zur Zeit seine beiden Söhne mit ihren Frauen die Trumpfkarte der Windsors sind. Die vier verstehen sich bewusst als Team. Anfang März traten sie gemeinsam auf, um Meghan als vierte Schirmherrin der „Royal Foundation“ vorzustellen, einer Dachorganisation von einer ganzen Reihe von Wohltätigkeitsorganisationen, die sie unterstützen wollen. Da wurde es augenfällig: Die Brüder zusammen mit ihren Frauen haben eine gemeinsame Aufgabe. Und die Medien tauften das Team sogleich in Anlehnung an die Beatles die „Fab Four“.

Der Erfolg in der Öffentlichkeitsarbeit ist garantiert, nicht zuletzt, weil die Aufgaben bei den Fab Four gut verteilt sind. Prinz William als künftiger König muss sich politisch zurückhalten und unterstützt in der „Royal Foundation“ vor allem Umwelt- und Tierschutz. Seine Gattin Kate hat ebenfalls schon die Kunst gelernt, bei ihren Reden nicht anzuecken, und wählte sich Jugendliche und mentale Gesundheit als Aufgabengebiete aus. Prinz Harry ist der Spaß-Prinz, der auch schon einmal über die Stränge schlagen kann. Er setzt sich vor allem für militärische Wohltätigkeitsorganisationen ein. Und Meghan? Sie machte bei ihrem Debüt klar, dass ihr das Thema Frauenrechte wichtig ist. „Wir werden unsere erste feministische Aktivistin-Prinzessin haben“, befand die Publizistin Rachel Johnson. Womit sie nur in einem Punkt Unrecht hat, denn Meghans Titel wird nicht Prinzessin, sondern Herzogin sein.

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