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Asyl

Digitale Brücke in die Heimat

Eine Internet-Verbindung ist für viele Geflüchtete die einzige Verbindung zu ihrer Familie. Freiwillige wollen helfen.
von Sebastian Heinrich, MZ und Christopher Weckwerth, dpa

So sieht der „Freifunk“-Router aus: drei Aktivisten aus Dortmund präsentieren das Gerät vor einer Flüchtlingsunterkunft in Dortmund.
So sieht der „Freifunk“-Router aus: drei Aktivisten aus Dortmund präsentieren das Gerät vor einer Flüchtlingsunterkunft in Dortmund. Foto: dpa

Regensburg.Gedankenverloren tippt Abshi Ahmed auf seinem Smartphone herum. Der junge Somalier sitzt in einer Notunterkunft in Berlin. Er ist still, seit einigen Tagen erst ist er in Deutschland. Wie viele andere Flüchtlinge hat er auf dem Handy Fotos von seiner Familie, die er in der Heimat zurückgelassen hat. Über das Internet könnte er ihnen schreiben, sie sehen – aber WLAN gibt es nicht, und einen Mobilfunkvertrag mit Datentarif darf er nicht abschließen.

Wie Ahmed geht es vielen Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen. Nach Recherchen des Blogs „Netzpolitik.org“ von Juni stellen nur etwa 15 Prozent der Flüchtlingsunterkünfte einen Internetzugang. Die Daten sind nicht vollständig, heißt es, viele Behörden hätten selbst keinen umfassenden Überblick über die Ausstattung. Doch private Initiativen wie „Freifunk Dortmund“ haben die Sache längst selbst in die Hand genommen. Sie bringen Hunderte Flüchtlinge ins Netz – damit sie mit ihrer Familie sprechen und sich in der neuen Umgebung zurechtfinden können.

Hindernisse für Regensburger Freifunker

Bastian Mäuser, Vorsitzender von Freifunk Regensburg e.V.
Bastian Mäuser, Vorsitzender von Freifunk Regensburg e.V. Foto: MZ-Archiv

Auch in Regensburg engagieren sich die „Freifunker“ für Flüchtlinge. Ganz einfach ist es nicht: Auch hier versuchen Aktivisten gezielt, Flüchtlingen via WLAN-Netz eine digitale Brücke in die Heimat zu schlagen. Technisch ist das in Regensburg möglich, sagt Bastian Mäuser, Vorsitzender von Freifunk Regensburg e.V. Die Freiwilligen des Vereins würden sich auch selbst um die Installation einer Antenne kümmern, sagt Mäuser. In zwei Unterkünften in Regensburg und einer in Weiden können Flüchtlinge schon ins Netz – dank großzügiger Nachbarn. In der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Pionierkaserne gibt es aber immer noch keinen WLAN-Zugang. Das Problem – in Regensburg wie andernorts: Manche Betreiber von Flüchtlingsunterkünften stellen bewusst keinen Internetzugang. Sie befürchten, bei illegalen Downloads oder teuren Bestellungen selbst zur Rechnung gezogen zu werden.

Diese Hürde versuchen die Freifunker zu umgehen: Sie stellen WLAN-Router in die Heime und leiten die eingehenden Verbindungen wie ein Provider über eigene Server ins Internet. Durch das gesetzlich geregelte „Providerprivileg“ sind sie von der sogenannten Störerhaftung befreit, sagt Mäuser. Das heißt: Für Abmahnungen müssten die Helfer nicht selbst aufkommen. Finanziert wird die technische Hilfestellung aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, sagt der Regensburger Freifunk-Vorsitzende Mäuser.

Regierung der Oberpfalz verspricht schnelle Entscheidung

In Regensburg soll es nun auch möglichst schnell gehen: Josef Karl, Sprecher der Regierung der Oberpfalz, die für die Erstaufnahmeinrichtung in Regensburg zuständig ist, verspricht eine Entscheidung „voraussichtlich in der kommenden Woche“. Man stehe dem Freifunk-Projekt aufgeschlossen gegenüber. „Wir können ja nichts dagegen haben, dass die Menschen Kontakt in ihre Heimat haben“, sagt Karl.

Bis dahin raten Freiwillige in Regensburg den Flüchtlingen, für Skype-Anrufe oder Whatsapp-Chats mit der Heimat an den Neupfarrplatz, den Gutenbergplatz oder den Domplatz in der Regensburger Altstadt zu gehen: Dort gibt es dank Freifunk jetzt schon funktionierendes WLAN.

Aktuelle Artikel zur Asyl-Debatte lesen Sie hier. Die Schicksale hinter der Asyl-Problematik haben wir in unserer Serie „Zuflucht“ beleuchtet. Die Artikel daraus lesen Sie hier.

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