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Kriminalität

Drohbriefe: Razzia auch in Niederbayern

Wegen Gewalt-Ankündigungen gegen Moscheen, Parteizentralen und Ankerzentren gab es mehrere Durchsuchungen – vier in Bayern.

Sondereinsatzkräfte im Dienst: Am Mittwoch fanden großangelegte Durchsuchungen statt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Sondereinsatzkräfte im Dienst: Am Mittwoch fanden großangelegte Durchsuchungen statt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

München.Im Zusammenhang mit Drohbriefen gegen Ankerzentren, Moscheen und weitere Einrichtungen sind am Mittwochmorgen sieben Objekte in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, und Sachsen-Anhalt durchsucht worden, teilten die Generalstaatsanwaltschaft München und das Bayerische Landeskriminalamt mit.

Anlass dieser Durchsuchungsaktion seien Ermittlungsverfahren gegen die Urheber von insgesamt 23 Drohschreiben, die im Juli bundesweit verschickt worden seien. Darin wurde unter anderem mit Sprengstoffanschlägen gedroht. Offenbar gibt es auch Vorwürfe gegen eine oder mehrere Personen in Niederbayern. Wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes auf Nachfrage der Mittelbayerischen sagte, fand eine Durchsuchung im Landkreis Straubing-Bogen statt. Erst im vergangenen Jahr hatte es in der im Landkreis beheimateten Stadt Geiselhöring eine Polizeiaktion gegeben. Dort sollen Beschuldigte mitgewirkt haben, die verbotene Neonazi-Gruppierung „Blood and Honour“ wiederzubeleben. Besagte Gruppierung taucht auch als Unterzeichner der Drohbriefe auf.

Extremismus

Pistorius fordert „Combat 18“-Verbot

„Combat 18“ gilt als bewaffneter Arm des Neonazi-Netzwerks „Blood & Honour“. Mehrer Ministerpräsidenten wollen ein Verbot.

Unterzeichnet waren die Drohschreiben außerdem mit „Volksfront“ und Combat 18“. An der Durchsuchungen seien rund 120 Beamte beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts. Die Empfänger der Drohschreiben waren den Angaben nach unter anderem Ankerzentren in Bayern, islamische Zentren, Moscheen, Parteizentralen und Presse- und Medienagenturen. In Bayern habe es sich um betroffene Einrichtungen in München, Augsburg, Bamberg und Fürth gehandelt.

Die Neonazi-Gruppierung „Blood and Honour“ ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland verboten. Das rechtsextreme Netzwerk wurde in den achziger Jahren in Großbritannien gegründet und soll weltweit rund 10 000 Mitglieder haben. „Combat 18“ gilt als militante Gruppierung, zu der auch die Terrorzelle NSU enge Verbindungen pflegte. Die Zahl 18 steht für die Initialen Adolf Hitlers.

Betroffen waren den Angaben nach unter anderem auch Ankerzentren in Bayern. Foto: Stefan Puchner/dpa
Betroffen waren den Angaben nach unter anderem auch Ankerzentren in Bayern. Foto: Stefan Puchner/dpa

„Derartige Drohmails wollen Menschen in Angst und Schrecken versetzen und den gesellschaftlichen Frieden stören“, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. „Dagegen gehen mit aller Macht des Rechtsstaats vor.“ Wie Herrmann erläuterte, wurden die Ermittler bei den Durchsuchungen unter anderem von Spezialeinsatzkräften unterstützt. Insgesamt waren rund 120 Polizeibeamte eingesetzt. Beschlagnahmt wurden unter anderem verschiedene Datenträger, die laut Herrmann jetzt sorgfältig ausgewertet werden. Sechs der sieben Beschuldigten wurden vorläufig festgenommen und nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen. Der siebte Beschuldigte wurde bislang noch nicht angetroffen.

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