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Nahost

Ein Brückenbauer für die Palästinenser

Viele Mitstreiter von Abdallah Frangi, Vertreter der PLO in Deutschland, wurden ermordet. Er kämpft trotzdem für den Frieden.
Von REINHARD ZWEIGLER, MZ

Abdallah Frangi Foto: dpa

Berlin. Das Leben von Abdallah Frangi liest sich wie ein Agententhriller. Nur, es ist keine Fiktion. Es handelt sich um reale Zeitgeschichte, vom Krisenherd im Nahen Osten, von Israelis und Palästinensern, von Großmächten und Diktatoren, von Friedenssehnsucht und enttäuschten Hoffnungen, von Terroristen und Friedensaktivisten, von Falken und Tauben. Viele seiner Mitstreiter aus der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) wurden ermordet. Der Vertraute des vor sieben Jahren verstorbenen PLO-Chefs Yassir Arafat entgeht selbst nur knapp einem Briefbombenattentat.

Seit fast vierzig Jahren ist der heute 68-Jährige als offizieller Vertreter der PLO in Bonn beziehungsweise Berlin eine Stimme der Palästinenser in Deutschland. Obwohl er angesichts der Entwicklungen in Nahost schier verzweifeln könnte, hat er sich seinen Optimismus und sein Lächeln bewahrt. Am Freitag erst hat die israelische Marine zwei Schiffe mit Hilfslieferungen für den Gazastreifen gestoppt.

Jetzt stellte Frangi in Berlin seine Biografie vor, die tief hinter die Kulissen der Nahost-Politik blicken lässt.

Frangi wurde gewissermaßen in das Spannungsfeld Nahost hineingeboren. Aufgewachsen in einer einflussreichen Beduinenfamilie, wird Frangi im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie aus dem soeben gegründeten Staat Israel nach Gaza vertrieben. Mitte der 50er-Jahre, als Gaza von der israelischen Armee besetzt wird, gehört sein ältester Bruder zu den Gründungsmitgliedern der palästinensischen Freiheitsbewegung Fatah von Yassir Arafat. Nach dem Abitur geht der „staatenlose“ Frangi nach Frankfurt am Main und studiert dort Medizin und Politik. Daraus entwickelt sich ein dauerhaftes Engagement für Palästina in Deutschland. Er pflegt Verbindungen zum legendären Hans-Jürgen Wischnewski (Ben Wisch), Unterhändler von Kanzler Helmut Schmidt, zum Langzeit-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, zum grünen Außenamtschef Joschka Fischer oder zu Kanzler Gerhard Schröder.

Dass sich die deutsche Außenpolitik seit Jahren für eine Zwei-Staaten-Lösung, neben Israel einen Staat der Palästinenser, einsetzt und tatkräftig hilft, hat auch mit dem geduldigen Werben und Informieren von Frangi zu tun. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesandter, gesandt, um die Interessen seines Volkes im Ausland deutlich zu machen. Er ist kein fanatischer Eiferer, sondern ein Diplomat und Brückenbauer, der differenziert, Entwicklungen kühl analysiert und immer auch die Gegenseite im Blick hat. Dabei war er noch nach dem Terroranschlag auf die Olympischen Spiele in München 1972 ohne Begründung aus Deutschland ausgewiesen worden. Der israelische Geheimdienst Mossad führte ihn auf seiner Todesliste.

Frangi hat viele Freunde im arabisch-palästinensischen Lager und er hat Freunde in Israel. Sein jüdischer Freund Dan Dinger, Historiker an der Hebräischen Universität Jerusalem und Leiter des Simon Dubnows Institut für jüdische Geschichte in Leipzig, warnte ihn 1994 in einem langen Gespräch vor der Siedlungspolitik Israels. Die Besiedlung weiter und strategisch wichtiger Teile des Westjordanlandes – hier soll der Palästinenserstaat entstehen – ist mittlerweile zu einem der größten Hindernisse auf dem Weg zur Zweistaatenlösung geworden.

Scharf geht Frangi mit der fundamental-palästinensischen Hamas ins Gericht, die den Gaza-Streifen kontrolliert. Zwischen Fatah und der vor allem vom Iran unterstützen Hamas kommt es zum blutigen Bruderkrieg. Vom jüngsten Gefangenenaustausch zwischen Israel und den Palästinensern, der vom deutschen Geheimdienst eingefädelt worden war, haben jedoch beide Palästinensergruppierungen profitiert. Und Frangi ist inzwischen von Ramallah im Westjordanland nach Gaza übergesiedelt. Hamas und Fatah sind sich offenbarnäher gekommen. Frieden in Nahost ist möglich, wenn alle Seiten ihn wollen, ist Frangi überzeugt. Seine Biografie gibt fundierte Auskunft darüber, warum der Weg zum Frieden so schwierig ist.

Abdallah Frangi: Der Gesandte. Mein Leben für Palästina. Hinter den Kulissen der Nahost-Politik; Heyne Verlag, 432 Seiten; 21,99 Euro

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