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Projekt

Ein Haus, das Widersprüche versöhnt

Das neue Jüdische Gemeindezentrum in Regensburg wird sehr sicher – und sehr offen. Förderer können „Bausteine“ finanzieren.
Von Marianne Sperb

Die Baustelle der Synagoge im Oktober 2017, kurz vor dem Richtfest: Fast 80 Jahre nach der Zerstörung ihrer Synagoge durch die Nationalsozialisten erhält die jüdische Gemeinde ein neues Gebetshaus. Foto: Armin Weigel/dpa
Die Baustelle der Synagoge im Oktober 2017, kurz vor dem Richtfest: Fast 80 Jahre nach der Zerstörung ihrer Synagoge durch die Nationalsozialisten erhält die jüdische Gemeinde ein neues Gebetshaus. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.In ziemlich genau einem Jahr, im Februar 2019, feiert Regensburg die Einweihung der neuen Synagoge – 500 Jahre nach dem Trauma in der Geschichte der Regensburger Juden. 1519 wurde die Jüdische Gemeinde vertrieben, die gotische Synagoge am Neupfarrplatz niedergerissen, das Judenviertel aufgelöst. Die neue Synagoge, 1912 in der Schäffnerstraße (heute: Am Brixener Hof) ging in der sogenannten „Reichskristallnacht“, am 9./10. November 1938, in Flammen auf – ein Fanal. Eine mörderische Zeit brach an.

Für nicht wenige Menschen in Regensburg befindet sich auf dem Areal Am Brixener Hof die bedeutendste Baustelle in Regensburg. Die Synagoge mit dem Jüdischen Gemeindezentrum soll eine Wunde schließen. Rabbi Josef Bloch nennt das Projekt ein wichtiges Zeichen. „Ein Haus Gottes, gefallen von böser Hand, wird wieder aufgerichtet“, sagte er anlässlich der Grundsteinlegung 2016. Sogar Berlin nimmt wahr, welche Bedeutung der Neubau hat. Die Bundesregierung stuft ihn als Projekt von nationalem Rang ein und gibt 3,3 Millionen Euro für das auf Vorhaben, dessen Gesamtkosten bei 5,5 Millionen Euro liegen.

Die Jüdische Gemeinde mit ihren rund 1000 Mitgliedern wird einen Teil der Kosten beitragen. Eine breite Bürgerschaft und ein Förderverein machen sich für die Synagoge stark und werben nach wie vor um Spenden. Förderer können einen symbolischen Baustein für 500 Euro erwerben. Aber: Jede Summe ist willkommen.

Lesen Sie hier: ein Interview mit dem Architekten Volker Staab

Die Architekten haben bei dem Projekt einige Widersprüche zu meistern. Das große Raumprogramm von Synagoge und Gemeindezentrum ist auf einem relativ kleinen Grundstück unterzubringen. Das Welterbe Regensburg ist außerdem ein sensibler Ort für zeitgenössisches Bauen. Und drittens: Die Sicherheitsanforderungen liegen hoch, andererseits gibt es den starken Wunsch nach Offenheit. Das Büro Volker Staab, das das Projekt übernommen hat, gilt als Spezialist für knifflige Fälle dieser Art. Die Berliner planen besonders gern – und auch besonders gut – neue Gebäude in historischem Gefüge. Der Vorschlag des Büros für Regensburg hatte sich in einem geladenen Wettbewerb unter zehn Entwürfen durchgesetzt. Das Team um Projektleiter Per Pedersen platziert die Synagoge vorn, an der Straße Am Brixener Hof, und setzt dem Sakralraum eine Kappe auf knuffigem Metall auf. Tageslicht strömt durch eine Haut aus satiniertem Glas ins Innere, und durch eine zart aufgefächerte Holzlamellenschale, die zum Himmel immer lichter wird. Ein kleiner, aber wirkungsvoller Twist, der dem Gebäude Spannung gibt: Der Gebetssaal dreht sich leicht aus der Straßenachse in Ost-West-Richtung.

Lesen Sie auch: So soll die neue Synagoge aussehen

Der gestaffelte Bau wird in eine Fassade aus hochkant gemauertem, geschlämmtem Backstein gehüllt. Er nimmt Rücksicht auf die Nachbarhäuser und wendet sich dem Stadtraum zu. Bibliothek und Gemeindesaal öffnen sich mit großen Fensterflächen zu Brixener Hof und in die Seitengasse. Besucher haben schon am Eingang freien Blick durch das Haus auf den Hof.

Parallelen zu Frankfurt

Die Erweiterung des Jüdischen Museums Frankfurt nach Plänen von Staab weist einige Parallelen zur Synagoge in Regensburg auf. Auch hier sind die Sicherheitsanforderungen eine Kernfrage. In Regensburg wird im Wesentlichen ein Pförtner ausreichen, der den Besucherverkehr kontrolliert. In Frankfurt ist das anders. Obwohl das Museum eine städtische, keine jüdische Einrichtung ist, ist der Schutzbedarf weit höher, bis hin zu Besucherschleuse und Panzerglas.

Staab Architekten gewinnen regelmäßig Wettbewerbe und ebenso regelmäßig Auszeichnungen. Die Spezialität des Büros: zeitgenössisches Bauen in einem historisch aufgeladenen, sensiblen Umfeld.

Zu den aktuellen Projekten gehören etwa das Naturkundemuseum Biotopia im Areal des Nymphenburger Schlosses, das 2023 eröffnen soll, das Museum am Bauhaus-Archiv Berlin (geplanter Fertigstellungstermin: 2022) und das Seminargebäude für das Haus der Wannsee-Konferenz Berlin, bei dem sich die Berliner unter 183 Bewerbern durchgesetzt hatten. Auch bei den Entwürfen für den Augustinerhof Nürnberg (Eröffnungstermin: 2020), dem Domareal Paderborn (Wettbewerb: 2016), oder dem Musikquartier Kronberg (Wettbewerb: 2014) ging es um den intensiven Kontakt von Haus und Umfeld und um die Balance zwischen Eigenständigkeit und Anpassung. (el/mz)

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