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Krisengebiet

Ein Hilferuf aus Syrien

Die Lage in Idlib hat sich nach der jüngsten Eskalation zugespitzt. Helfer riskieren dort auch ihr eigenes Leben.
Von Mathias Anderson, Geschäftsführer von arche noVa

Der Autor ist Geschäftsführer des Vereins arche noVa – Initiative für Menschen in Not. Foto: Katharina Grottker
Der Autor ist Geschäftsführer des Vereins arche noVa – Initiative für Menschen in Not. Foto: Katharina Grottker

Am 15. März jährt sich zum neunten Mal der Beginn des Bürgerkriegs in Syrien. Und die Situation könnte dramatischer kaum sein. Die Dresdner Hilfsorganisation arche noVa ist direkt von Ort. „Wir tun, was wir können“ – das betont mein syrischer Kollege immer wieder. Rund um die Uhr hält er von Dresden aus Kontakt zu unserem Team in Idlib. 25 Menschen sind dort für arche noVa im Einsatz. Sie verteilen Wasser, Lebensmittel und Winterkleidung für Kinder; sie reparieren Fenster, Türen und Sanitäranlagen in notdürftigen Unterkünften – und sind dabei oft genug selbst in Gefahr.

„Wir können doch nicht nichts tun“ – meinem Kollegen Wael ist die Verzweiflung anzusehen.

Mehr als die Hälfte des Teams musste nach den jüngsten Eskalationen fliehen, einige von ihnen konnten nördlich von Idlib keine neue Unterkunft für sich und ihre Familie finden und harren jetzt bei Verwandten oder Bekannten aus. Egal, wie beschwerlich der individuelle Alltag ist, sie alle sind froh, anderen in schlimmster Not helfen zu können. Ende Januar mussten aufgrund der Kampfhandlungen und der heranrückenden Truppen alle Aktivitäten gestoppt werden. Jetzt ist die schlimmste Bedrohung vorbei und die Hilfsaktionen laufen wieder an.

„Wir können doch nicht nichts tun“ – meinem Kollegen Wael ist die Verzweiflung anzusehen. Er stammt selbst aus Idlib, was mit seiner Heimatstadt passiert, ist für ihn nur schwer zu ertragen. Mit Professionalität besiegt er die Verzweiflung. Denn in Idlib muss gehandelt werden. Sofort.

Immer wieder treffen unsere Teams vor Ort auf Familien, die von Minderjährigen geführt werden, die als Kinder die Verantwortung für Angehörige tragen müssen.

Die Systematik, nach der die Ausgabe von Lebensmitteln, Hygienepaketen, Brot und Wasser normalerweise in Krisensituationen abläuft, ist in Idlib jetzt außer Kraft. In Abstimmung mit den Vertretern der informellen Lager und den Vertretern der Gastgemeinden verteilen die Helfer so viel wie möglich, überwiegend kurzfristig an Neuankömmlinge und an die Bedürftigsten unter ihnen, darunter alleinerziehende Frauen, Familien mit mehr als fünf Kindern oder mit kranken Familienangehörigen. Insgesamt werden im Moment 11 500 Familien mit Lebensmitteln und Wasser versorgt. 2700 Kinder bekommen warme Unterwäsche, Mützen, Schals und dicke Jacken. Denn die Kinder leiden am meisten.

Immer wieder treffen unsere Teams vor Ort auf Familien, die von Minderjährigen geführt werden, die als Kinder die Verantwortung für Angehörige tragen müssen. Das zu hören, ist schwer zu ertragen. Aber Mitleid ist für uns nur eine Option. Für uns als humanitäre Organisation ist das immer auch Auftrag – Menschen zu helfen und Not zu lindern.

Der Autor ist Geschäftsführer des Vereins arche noVa – Initiative für Menschen in Not.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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