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Politik
Mittwoch, 25. April 2018 22° 3

Verkehr

Ein Rad-Gesetz für Bayern

Die Radfahrerlobby fordert ein durchgängiges Radwegenetz. Der umweltfreundliche Verkehr soll stärker gefördert werden.
Von Marion Koller

Wer in die Arbeit radelt, kommt entspannter an. Foto: Jens Lehmkühler/ADFC

Regensburg.Stephan Neumaier-Burkhardt radelt im Frühjahr und Sommer fast täglich von Schmidmühlen im Landkreis Amberg-Sulzbach nach Regensburg. Um 7 Uhr früh biegt er mit dem Rennrad auf die Staatsstraße Richtung Dietldorf und Kallmünz ein. Eine Stunde später rollt er in den Hof von Möbelum in Regensburg. Der 44-Jährige nutzt hauptsächlich Autostraßen, um schnell vorwärtszukommen. Den Vorstoß des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs für ein durchgehendes Radwegenetz begrüßt er aber. „Das finde ich super, weil es für viele Leute ein Ansporn ist, umzusteigen.“

Radfahrer in Bayern brauchen Geduld. Obwohl seit Jahren über die Förderung des umweltfreundlichen Verkehrs diskutiert wird, weist das Radwegenetz große Lücken auf. Der Radanteil am Gesamtverkehr beträgt nur elf Prozent. Auch die Staatsregierung hat erkannt, dass sich etwas ändern muss und deswegen vor einem Jahr das „Radverkehrsprogramm Bayern 2025“ ins Leben gerufen. In dem Papier verspricht sie, bis in sieben Jahren den Anteil auf 20 Prozent zu steigern, mehr Bike-Verbindungen zu bauen und höhere Geldsummen locker zu machen.

Mobilitätsgesetz für Berlin

Getan hat sich nach Meinung von Verbänden wie dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) nichts. Der Regensburger Kreisvorsitzende Dr. Klaus Wörle hält das Radverkehrsprogramm lediglich für eine wohlwollende Absichtsbekundung. Es seien noch keine konkreten Maßnahmen verwirklicht worden.

Lesen Sie hier ein Interview mit Dr. Klaus Wörle.

Der ADFC fordert ein bayerisches Rad-Gesetz mit verbindlichen Zielen. Bernadette Felsch, die Vizebundesvorsitzende und Sprecherin des Bündnisses „Rad-Gesetz für Bayern“, ergänzt: „Wir möchten das im Landtagswahlkampf postulieren, sonst entscheidet jede Kommune nach Kassenlage. Den Radverkehr bis 2025 zu verdoppeln – das geht nicht ohne Gesetz.“

Am heutigen Samstag kommt der ADFC-Landesverband in Regensburg zusammen, um die Forderung nach dem Rad-Gesetz zu beschließen. Die wichtigsten Inhalte: ein durchgängiges Radwegenetz, gute Abstellplätze, eine Verdoppelung des Budgets für die Radverkehrsförderung, mehr Personal für die Umsetzung des Programms 2025 und eine verbesserte Fahrradmitnahme in Bus und Bahn.

Was die Region von Bamberg lernen kann

  • Bamberger

    Radbegeisterte haben 2017 beim erfolgreichsten Bürgerbegehren in der Domstadt, dem „Radentscheid Bamberg“, 9000 Unterschriften für die Verbesserung des Radverkehrs gesammelt. Vorbild war Berlin. Weil der Bamberger Stadtrat im Januar 2018 beschloss, wichtige Forderungen zu erfüllen, kam es nicht zum Bürgerentscheid.

  • Diese Verbesserungen

    wird Bamberg nach dem Stadtratsbeschluss realisieren: eine Image-Kampagne zur Stärkung des Radverkehrs, zusätzliche Fahrradbügel und Radparkplätze, neue Fahrradstraßen, eine Radzählanlage, sicherheitsfördernde Maßnahmen an Kreuzungen, ein Förderprogramm für Lasten-Pedelecs (gibt es in Regensburg).

  • Die Fördermittel

    für den Radverkehr steigen um 60 000 Euro. Ein „Runder Tisch“ kümmert sich um die Verkehrsführung der zentralen Langen Straße unter besonderer Berücksichtigung der Radfahrer.

  • Radanteil

    am Verkehr: in Bamberg und Erlangen 30 Prozent, in Regensburg 19 und in München 17.

Klaus Wörle geht zu Fuß zu seinem Arbeitsplatz an der Uni, viele andere Strecken legt er mit dem Fahrrad zurück. Die lückenhafte Anbindung des Regensburger Umlands kritisiert er heftig. „Um die Menschen anzusprechen, die noch nicht radfahren, braucht man attraktive Verkehrslösungen – weg von den schmalen Streifen. Den Leuten ist das jetzt zu gefährlich.“ Bernadette Felsch ist überzeugt, dass ein durchgehendes Fahrradwegenetz Pendler nicht nur im Speckgürtel der Domstadt, sondern auch in ländlicheren Gegenden der Oberpfalz aufs Fahrrad oder E-Bike locken würde.

Rechtsabbieger übersehen Biker

Die Berliner haben ein sehr erfolgreiches Volksbegehren angestoßen. Zum Bürgerentscheid kam es nicht, weil der Senat die Fahrradthemen aufgriff und in ein Mobilitätsgesetz goss. Ziele sind zum Beispiel, dass jährlich fünf unfallträchtige Kreuzungen umgebaut und zehn Kilometer Radschnellwege errichtet werden. Berlin bekommt also als erste deutsche Stadt ein Mobilitätsgesetz, das die Radlerbedürfnisse berücksichtigt. Das weckt bundesweit Interesse. „Das Thema poppt überall auf“, beobachtet Fahrradlobbyist Wörle, hauptberuflich Physiker. „In München, Frankfurt, Darmstadt und Köln.“

„Letztes Jahr hat mich sogar ein Polizeifahrzeug geschnitten. Die Autofahrer scheinen mir immer abgelenkter zu sein.“

Stephan Neumaier-Burkhardt, Radpendler

Radpendler Stephan Neumaier-Burkhardt wünscht sich auch für Regensburg fahrradsichere Kreuzungen. Er erlebt häufiger als früher, dass ihn rechtsabbiegende Autofahrer übersehen. „Letztes Jahr hat mich sogar ein Polizeifahrzeug geschnitten. Die Autofahrer scheinen mir immer abgelenkter zu sein.“ Der 44-Jährige findet, dass es mit dem Bau von Radwegen allein nicht getan ist. Sie müssten auch gepflegt werden, um für Pendler attraktiv zu sein. Neumaier-Burkhardt ärgert sich, dass landwirtschaftliche Maschinen die Radtrassen queren und eine Menge Dreck hinterlassen. Auch deshalb strampelt er lieber auf Staatsstraßen, obwohl ihn dort zuweilen überholende Autofahrer gefährden.

Radwege zwischen Grünthal und Brandlberg und von Kallmünz nach Holzheim kommen

Im Rahmen des „Radverkehrsprogramms Bayern 2025“ ist zwar noch nichts gebaut worden, wie Pressesprecherin Kathrin Fändrich vom bayerischen Verkehrsministerium einräumt. Das bedeutet aber nicht Stillstand. Ein Radweg wird etwa an der Staatsstraße 2146 zwischen Radling und Scharlau im Bayerwald gebaut. 2018 sollen laut Fändrich Radtrassen an der Staatsstraße 2149 von Kallmünz nach Holzheim und an der 2251 zwischen Wallnsdorf und Oening im Landkreis Neumarkt entstehen. Die Verbindung zwischen Grünthal und Brandlberg in Regensburg kommt 2019.

Stephan Neumaier-Burkhardt aus Schmidmühlen, der aus sportlichen Gründen strampelt, legt anderen Pendlern das Radfahren wärmstens ans Herz. „Man ist frischer und steht anders im Leben.“

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  • RS
    Reinhold Strobl
    15.04.2018 09:57

    Radwege entlang von Straßen müssen unbedingt durchgehend sein. Wenn Radwege auf einmal aufhören und den Radfahrern nichts anderes übrig bleibt, als auf der Straße zu fahren, kann das kein Dauerzustand sein. Hier muss nachgebessert und Geld zur Verfügung gestellt werden. Allerdings sind die Radfahrer auch aufgefordert, bei Vorhandensein eines Radweges diesen auch zu benutzen und nicht auf der Straße zu fahren.

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