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Ein Stück Kanada gibt es auch mitten in München

Aussenbeziehungen Bayern und die kanadische Provinz Québec pflegen intensive Kontakte – auch das 400.Stadtjubiläum Québecs feiern sie gemeinsam.

Von Birgit Holzer, MZ

München/Québec. Kanada liegt im Glockenbachviertel in München. Zumindest ein kleiner Teil davon, nämlich das Kanada von Mélody Roussy-Parent. „Mélody’s Canada“, so heißt der Laden der jungen Frau aus der französischsprachigen Provinz Québec, die dort seit knapp zehn Jahren Produkte aus ihrer Heimat vertreibt. In ihren Regalen stehen Ahornsirup, Bison-Salami und kanadisches Bier. Neben interessierten Deutschen und Franzosen zieht es viele Québecer in ihr Geschäft, die ein Stück Heimat auf der Zunge spüren wollen. Für sie ist 2008 ein ganz besonderes Jahr – ein Jubiläumsjahr.

Genau 400 Jahre ist es her, als der französische Entdecker Samuel de Champlain die Stadt gegründet hat, die als das Zentrum der französischen Lebensart in Kanada gilt. Trotz des amerikanischen Einflusses, der sich bemerkbar macht durch Fast-Food-Ketten und lange Highways, ist Québec eine europäische Insel in Nordamerika geblieben. Aus französischen Bäckereien strömt der Duft von frischen Croissants und Baguettes; wer durch Québecs historische Altstadt mit seinen verwinkelten Gassen schlendert, hat beinahe Rothenburg ob der Tauber vor Augen.

Zwar musste Frankreich die Provinz Québec 1759 an England abtreten; gewisse Sonderrechte blieben deren Einwohnern aber zugesichert. Diese beanspruchen sie noch heute für sich – so etwa bei der Pflege internationaler Beziehungen. Beispielsweise zu Bayern: Die Nähe zum Freistaat ist trotz der Entfernung von über 6000 Kilometern groß. So gibt es seit 1997 ein Büro der Regierung von Québec in München; 1999 eröffnete im Gegenzug die Bayerische Staatsregierung eine Québec-Vertretung in der wirtschaftlichen und kulturellen Metropole Montréal. Beide Vertretungen dienen als Anlaufstelle für Unternehmer, Wissenschaftler oder Kulturschaffende des jeweils anderen Landes.

Seitdem 1983 erste Kontakte geknüpft wurden, hat sich der Informationsaustausch zwischen beiden Regierungen schnell etabliert. Förmlich besiegelt wurde die Kooperation 1989; seither wurden über 350 gemeinsame Projekte verwirklicht. „Diese starke Brücke ermöglicht uns einen privilegierten Zugang zu Nordamerika“, sagt Staatsminister Markus Söder (CSU).

Warum entwickelt sie sich so prächtig, die Achse Bayern – Québec? Michael Hinterdobler, Ministerialrat in der Bayerischen Staatskanzlei, war von 2001 bis 2005 in der Vertretung in Montréal und glaubt den Grund zu kennen: „Die beiden Regionen haben Gemeinsamkeiten auf mehreren Ebenen.“ Politisch bestünden sowohl Québec als auch Bayern, eingebettet in einen föderalen Staat, auf eigenständigen Kompetenzen.

Wirtschaftlich gesehen hätten sich beide Regionen seit den 50er von eher rückständigen Agrarländern hin zu modernen Industrie- und Technologieregionen entwickelt. Und nicht zuletzt die kulturelle Komponente: „Bayern und Québecer sind aus dem gleichen Holz geschnitzt – das schafft Grundvertrauen.“ So sei Québec – wie Bayern – zumindest bis in die 50er Jahre hinein stark katholisch geprägt gewesen. Ein weiterer Faktor sei die Sprache. „Wenn ein Québecer flucht, muss ein Bayer kein Französisch können. Tabernac und sacrement – das versteht er auch“, sagt Hinterdobler.

Und so blüht auch die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kultur: Es gibt Austauschprogramme für Studenten, Schüler, Lehrer und Medienschaffende. So schickte der MedienCampus Bayern als Dachverband für Medienaus- und -fortbildung in Bayern schon mehrmals bayerische Studenten nach Québec – und lud im Gegenzug Kanadier dazu ein, in die bayerische Medienlandschaft zu schnuppern, berichtet die Direktorin Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner. Auch bei den Feierlichkeiten zum 400. Stadtgeburtstag Québecs stehen Bayern auf der Gästeliste. Ministerpräsident Günther Beckstein wird in die kanadische Provinz reisen, ebenso Wirtschaftsministerin Emilia Müller und Staatssekretär Markus Sackmann. Dass Bayern und Québecer das Stadtjubiläum gemeinsam begehen, überrascht Laden-Inhaberin Mélody Roussy-Parent nicht. „Beide sind sehr lebensfroh, beide feiern gerne und beide lieben Bier. Wir verstehen einander halt!“

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