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Eine Runde Schnaps um fünf Uhr früh

Trumps Sieg polarisierte in den Sozialen Netzwerken. Manch einer flehte um göttlichen Beistand – oder den von Jan Böhmermann.
Von Mathias Wagner, MZ

Gespannte Gesichter bei den Wahlpartys
Gespannte Gesichter bei den Wahlpartys Foto: dpa

Regensburg.Hat er es vorhergesehen? In einem Webvideo, das in der Wahlnacht kursierte, beschwichtigte Noch-US-Präsident Barack Obama sein Volk: „Vergesst nicht: Egal, was passiert, am Morgen wird die Sonne aufgehen.“ Damit behielt der mächtigste Mann der Welt Recht, doch trotzdem wird die Welt nach dieser Nacht wohl eine andere sein. Diejenigen, die am Vorabend der Wahlnacht entspannt ins Bett gingen, um dem prognostizierten Sieg Hillary Clintons entgegenzuträumen, dürften sich bei Sonnenaufgang verwundert die Augen gerieben haben. Da lag Donald Trump bereits weit vor seiner Mitbewerberin. In den sozialen Netzwerken war die Verwunderung riesig. Twitter-Userin @annelinja beschrieb ihre Gefühlslage während der Stimmenauszählung so: „Im Bett liegen und trotzdem einem Unfall zugucken müssen.“

Andere flehten gar Gott um Hilfe an. „Bist du da, Gott? Wir sinds, Amerika“, betete @brooksbenjamin.

„Ich hoffe ja immer noch, dass Trump gleich seine Maske abzieht und da dann Jan Böhmermann steht“, schrieb @akaTheBride. Doch der Fernsehmoderator und Spaßvogel ließ über den Twitter-Account seiner TV-Sendung „Neo Magazin Royale“ schnell ausrichten: „Wir müssen euch enttäuschen. Wir haben damit (leider) nichts zu tun!“ Schnell war #Alptraum das in Deutschland mit am meisten genutzte Twitter-Schlagwort.

Schnell machte in den sozialen Netzwerken die Runde, dass die Website der kanadischen Einwanderungsbehörde CIC den vielen Zugriffen nicht mehr Herr wurde und deshalb über Stunden nicht mehr erreichbar war – wohl auch wegen der zahlreichen Klicks, die über eben jene Meldungen bei Twitter, Facebook und Co. kamen.

Niemand freut sich über einen künftigen Präsidenten Donald Trump? Von wegen. Bereits kurz nachdem der Wahlsieger bekannt war, gratulierte Ungarns rechtskonservativer Premier Viktor Orbán via Facebook: „Welch großartige Nachrichten. Demokratie ist noch am Leben.“

Ebenso sah das Nigel Farage. Die britische Brexit-Gallionsfigur gratulierte via Twitter: „Es scheint, als wird 2016 zum Jahr zweier großer politischer Revolutionen.“ Nicht freuen wollte sich dagegen Bundesjustizminister Heiko Maas. Der twitterte am Morgen nach der US-Wahl: „Die Welt wird nicht untergehen, sie wird nur noch verrückter.“ Der frühere italienische Ministerpräsident Enrico Letta ahnte auf seinem Twitteraccount bereits historische Dimensionen voraus: Die Wahl Trumps sei „der größte politische Bruch seit dem Fall der Berliner Mauer.“

Filmemacher und Journalist Mario Sixtus fragte am Morgen auf seinem Twitter-Account: „Auf der einen Seite Putin, auf der anderen Trump. Dazwischen Le Pen, Orban et al. Ist das diese Neue Weltordnung von der man so viel hört?“

Wie auch in unserem Medienhaus legten viele Redaktionen eine Nachtschicht ein, um live von der US-Wahl zu berichten. Auch beim Standard in Österreich blieben über Nacht die Lichter an. Aus deren Newsroom twitterte Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid: „Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem wir um fünf Uhr früh im Newsroom über Schnaps diskutiert haben.“ Na dann, Prost!

Und so haben die US-Amerikaner abgestimmt:

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