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Forschung

Eine sinnlose Tierquälerei

Ein Nürnberger Klinikum plant Versuche an Ratten und Mäusen. Die Niederlande kommen dagegen ohne Labortiere aus.
Von Julia Schulz

Julia Schulz ist Tierärztin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Pressesprecherin bei Ärzte gegen Tierversuche e. V.
Julia Schulz ist Tierärztin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Pressesprecherin bei Ärzte gegen Tierversuche e. V.

Berlin.Noch immer spielen Tierversuche eine traurige Rolle in unserer wissenschaftlichen Forschung. Nun ist bekanntgeworden, dass die private Paracelsus Universität am Klinikum Nürnberg künstliche Knorpel und Sehnen an Ratten und Mäusen erforschen möchte. Zwar steht eine schriftliche Genehmigung der Tierversuche noch aus, jedoch wurden bereits 500 000 Euro in die Einrichtung des Labors investiert – während unsere Nachbarn in den Niederlanden mit einem innovativen Ausstiegskonzept auf tierversuchsfreie Forschung setzen.

Letzteres kennzeichnet einen gesellschaftlichen Trend, welcher dem Umstand Rechnung trägt, dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind. So auch die geplanten Versuche am Nordklinikum in Nürnberg. Eine Maus verfügt über eine grundlegend andere Körperhaltung als der Mensch, weshalb die Knorpel und Sehnen anderen statischen Voraussetzungen standhalten müssen. Auch ist durch die deutlich kürzere Lebenszeit einer Maus nicht damit zu rechnen, dass es etwa zu Verschleißerscheinungen kommt, wie dies beim Menschen der Fall sein kann.

Das „Mausmodell“ bildet zudem keine Auswirkungen von Zivilisationserscheinungen, wie Übergewicht, ab und kann somit keine Aussagen über den Einfluss dieser auf den Sehnenapparat und die Gelenkknorpel treffen.

Ein tierversuchsfreier Ansatz wäre hier die Züchtung von Sehnen- und Knorpelzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen. Hierbei handelt es sich um Gewebezellen z. B. aus der Haut, die als Ausgangsmaterial dienen und zu Stammzellen zurückprogrammiert werden. Aus ihnen kann sich dann jede Art einer Körperzelle entwickeln. Ferner stellen Computermodelle eine geeignete Methode dar, um Aussagen über die Statik eines Körpers machen zu können.

Auch schreitet die Entwicklung der 3-D-Drucker immer weiter fort. So können heute schon menschliche Gewebekomplexe gedruckt werden. Tierversuche sind problematisch, weil Symptome menschlicher Erkrankungen auf künstliche Weise in sogenannten „Tiermodellen“ nachgeahmt werden. So wird ein Herzinfarkt bei Hunden durch das Zuziehen einer Schlinge um ein Herzkranzgefäß simuliert. Diese künstlich hervorgerufenen Symptome haben jedoch wenig mit den menschlichen Krankheiten, die sie simulieren sollen, gemein.

Wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung wie Ernährung, Lebensgewohnheiten, Verwendung von Suchtmitteln, schädliche Umwelteinflüsse, Stress, psychische und soziale Faktoren werden dabei außer Acht gelassen. Deshalb liegt die Humanrelevanz von Tierversuchen in der Übertragbarkeit auf den Menschen deutlich unter einem Prozent. Dagegen liefern tierversuchsfreie Testmethoden mit menschlichen Zellen und Geweben kombiniert mit Computerprogrammen genaue und aussagekräftige Ergebnisse.

Ein Hauptargument von Tierversuchsbefürwortern ist, dass diese Methoden keinen kompletten Organismus abbilden. Jedoch muss man sich hier vor Augen führen, dass es sich im Gegensatz zum Tierversuch um humanrelevante Forschungsmethoden handelt und dies verlässlichere medizinische bzw. wissenschaftliche Ergebnisse mit sich bringt, als ein tierischer Organismus dies tun würde.

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