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Kommunen

Einem Landrat stinkt die Biotonne

In Altötting gärt ein Streit um Mülltrennung: Der Landkreis findet das Bioabfallsystem unsinnig – und zieht vor Gericht.
Von Kathrin Zeilmann, dpa

Seit 2015 ist es in Deutschland Vorschrift, Bio- und Restmüll zu trennen. In Altötting zweifelt man am Sinn dieser Maßnahme. Der Landrat lässt es sogar auf einen Rechtsstreit ankommen. Foto: Armin Weigel/dpa
Seit 2015 ist es in Deutschland Vorschrift, Bio- und Restmüll zu trennen. In Altötting zweifelt man am Sinn dieser Maßnahme. Der Landrat lässt es sogar auf einen Rechtsstreit ankommen. Foto: Armin Weigel/dpa

Altötting.Kaffeesatz, Kartoffelschalen oder die Streu vom Meerschweinchenkäfig – seit 2015 ist es Pflicht, diese Dinge in Deutschland nicht einfach in der Mülltonne zu entsorgen, sondern zwischen Rest- und Biomüll zu trennen. Doch es gibt noch längst nicht flächendeckend Biotonnen, in denen die Küchenabfälle landen könnten.

In vielen bayerischen Landkreisen können die Hauseigner selbst entscheiden, ob sie die Biotonne nutzen oder im eigenen Garten einen Komposthaufen anlegen. Oder aber ein Landkreis findet das Bioabfall-System zu aufwendig, zu teuer, kurzum: unsinnig. So in Altötting. Hier lässt es Landrat Erwin Schneider (CSU) sogar auf einen Rechtsstreit ankommen.

Verdoppelung der Müllgebühren?

•Das Biotonnen-Pilotprojekt in Donaustauf sorgte schon im Umweltausschuss des Landkreises für Diskussionen. Foto: dpa
•Das Biotonnen-Pilotprojekt in Donaustauf sorgte schon im Umweltausschuss des Landkreises für Diskussionen. Foto: dpa

Der Landkreis will kein eigenes System für die Biomüll-Sammlung einführen – und ist damit inzwischen der einzige im Freistaat. Man wisse aus gutachterlichen Studien, dass auch ohne eigenes Sammelsystem 85 Prozent der Bioabfälle im Landkreis nachhaltig verwertet, also kompostiert werden, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Im Restmüll seien pro Jahr höchstens acht Kilo Küchenabfälle pro Einwohner enthalten, das werde in einem Müllheizkraftwerk verbrannt. „Diese Restmenge noch mit einer eigenen Biotonne erfassen zu wollen, ist aus unserer Sicht ökologisch und ökonomisch unsinnig. Zudem würde die Einführung einer Biotonne die Müllgebühren für unsere Bürgerinnen und Bürger nahezu verdoppeln.“ Größere Mengen an Grüngut könnten die Menschen problemlos zu gewerblichen Kompostieranlagen bringen.

Weil sich Altötting also weigert, ein System zur Biomüllentsorgung zu schaffen, hat der Landkreis einen Bescheid der Regierung von Oberbayern bekommen – und will diesen gerichtlich anfechten. Eine Entscheidung der Justiz steht noch aus.

Kommentar

Was heißt hier öko-logisch?

Es ist schon ein rechtes Kreuz mit dem Umweltschutz. Wie viel Glas und Pappe muss ich sammeln, damit sich die Autofahrt zum zehn Kilometer entfernten Wertstoffhof...

Fast zwei Millionen Tonnen Bioabfall im Jahr 2016

Im Jahr 2016 fielen in Bayern 1,98 Millionen Tonnen Bioabfall an – laut dem Landesamt für Umwelt zählt dazu der Müll aus der Biotonne, Grüngut aus den privaten Gärten als auch Gras, das beispielsweise beim Mähen in Parks oder an Straßenrändern anfällt. Im Jahr zuvor waren es noch 1,85 Millionen Tonnen. In Biotonnen entsorgten Bayerns Bürger demnach 726 665 Tonnen Biomüll.

 Foto: Patrick Seeger/dpa
Foto: Patrick Seeger/dpa

Und was passiert mit der Brotkante, dem abgeblühten Blumenstrauß und den Resten von der Grill-Dorade, die in der Tonne landen? Der größte Teil wird kompostiert, so dass Humus und Dünger entstehen – in den Kompostierungsanlagen passiert also im großen Stil das, was auch auf dem Komposthaufen am Gartenzaun vor sich geht. Inzwischen gibt es aber auch vermehrt Bemühungen, aus dem Biomüll Energie zu gewinnen: „Heute laufen die Bestrebungen in Richtung der umfassenden Nutzung der im Bioabfall enthaltenen Potenziale aus stofflicher, aber auch aus energetischer Sicht“, heißt es beim Landesamt für Umwelt. Daher sei in den vergangenen zehn Jahren die kombinierte Nutzung von Bioabfällen entwickelt und vorangetrieben worden. Das bedeutet: Humus- und Energiegewinnung werden kombiniert, um den Müll besser nutzen zu können. In einer Vielzahl von Anlagen in Bayern funktioniere die Verwertung der Bioabfälle schon nach diesem Schema.

Umweltschützer sind große Befürworter der Trennung zwischen Rest- und Biomüll. 2016 kritisierte der Naturschutzbund Deutschland, dass viele Kommunen die Biotonne nur zögerlich einführen bzw. lediglich die Sammlung am Wertstoffhof anboten, was nicht verbraucherfreundlich sei.

Frostige Nächte führen dazu, dass die Tonnen im schlimmsten Fall nicht geleert werden können. Das Chamer Amt hat Tipps parat.

Bringsystem in Regensburg

Regensburg setzt seit Herbst 2017 auf ein Bringsystem: Die Bürger können in fußläufiger Entfernung ihren Biomüll loswerden. Dafür verteilte die Stadt Starterkits an die Haushalte. Im Eimerchen können Bioabfälle gesammelt und zur Tonne gebracht werden. Nach der Einführung des neuen Systems stießen übervolle Tonnen im öffentlichen Raum und Plastik im Biomüll manchem Regensburger sauer auf. Die Stadt justiere bei den Tonnen-Standorten noch nach, hieß es in ihrer ersten Bilanz zur Biotonnen-Einführung nach einigen Wochen. Über „Störstoffe“, die nicht in den Biomüll dürfen, will sie kontinuierlich aufklären. Insgesamt gilt: Nicht alles, was in der Biotonne landet, gehört auch hinein. Plastik etwa muss mühsam aussortiert werden. Es geht ja auch ohne: Der Bund Naturschutz rät, Bioabfälle in altes Zeitungspapier einzupacken.

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