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Es gibt Ersatz für Tierorgane

Medizin lässt sich an Organoiden testen. Das ist auch noch günstiger und zeitsparender als Tierversuche.
Dr. Tamara Zietek

Tamara Zietek vom Verein Ärzte gegen Tierersuche. Sie ist Wissenschaftlerin und Expertin für tierversuchsfreie Forschungsmethoden. Foto: Zietek
Tamara Zietek vom Verein Ärzte gegen Tierersuche. Sie ist Wissenschaftlerin und Expertin für tierversuchsfreie Forschungsmethoden. Foto: Zietek

Regensburg.Als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal hörte, dass Forscher menschliche Mini-Därme im Labor gezüchtet haben, war mein erster Gedanke: Dieses Forschungsmodell wird die Wissenschaftswelt revolutionieren. Heute, nur ein Jahrzehnt später, ist die Züchtung dreidimensionaler menschlicher Mini-Organe, sogenannter „Organoide“, keinesfalls mehr etwas Außergewöhnliches.

Gezüchtet werden die Organoide aus menschlichen Stammzellen, die man wiederum aus Haar- oder Hautzellen eines Spenders herstellt. Aus den Stammzellen kann man dann fast jedes menschliche Organ züchten: eine Mini-Leber, ein Mini-Gehirn etc. Das Organoid konserviert im Labor die persönlichen Eigenschaften des Spenders. Bis zu zehn verschiedene Organoide können auf einem kleinen Biochip untergebracht und über einen simulierten Blutkreislauf verbunden werden. Anhand dieser „Multi-Organ-Chips“ (MOC) können beispielsweise Medikamenten getestet werden. Am stärksten etablieren sich MOC im regulatorischen und industriellen Sektor – also dort, wo zuverlässige Forschungsergebnisse essenziell für die menschliche Sicherheit sind.

Wissenschaft

Israelische Forscher drucken Herz

Israelische Forscher haben ein Mini-Herz aus menschlichem Gewebe erzeugt. Ein Einsatz in der Medizin ist noch Zukunftsmusik.

Die Pharmabranche weiß sehr genau um das Problem der mangelnden Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen. Die Tatsache, dass über 90 Prozent der Medikamente im Tierversuch als wirksam und sicher befunden werden, später aber in Patientenstudien scheitern, sind für die Arzneimittelkonzerne ein Hauptkostenpunkt bei der Medikamentenentwicklung. Globale Pharmariesen sind von den MOC überzeugt, da sie zudem günstiger und zeitsparender sind als Tierversuche.

Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran

Patientenbasierte Organoide ermöglichen heute bereits eine personalisierte, also auf den einzelnen Patienten zugeschnittene, Medizin. Auch Arzneimittelhersteller wie Bayer, Roche oder Novartis fördern die Entwicklung von MOC mit hohen Summen. Zum Glück, denn staatliche Fördergelder fließen immer noch zu ca. 99 Prozent in tierversuchsbasierte Forschungsprojekte, und die Pharmabranche ist durch gesetzliche Vorschriften praktisch dazu gezwungen, Tierversuche durchzuführen. Andere Länder hingegen gehen mit gutem Beispiel vorbei. So werden in den Niederlanden bis 2025 alle Tierversuche für Sicherheitstestungen durch humanbasierte Methoden wie MOC ersetzt. So etwas wünschen wir uns auch für Deutschland – zum Wohl der Tiere und für die Gesundheit und Sicherheit der Menschen.

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