mz_logo

Politik
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Kommentar

Es gibt wieder mehr Kinder!

Ein Kommentar von Burkhard Rodeck, Chefarzt

Zum fünften Mal in Folge ist die Geburtenrate in Deutschland gestiegen. Das ist schön. Kinder werden aber auch mal krank und müssen vielleicht sogar in eine Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Krankenhäuser sind Wirtschaftsbetriebe. Ohne Erlöse lässt sich kein Krankenhaus führen. Die Ökonomisierung in der Medizin zwingt uns, möglichst erlösträchtige Leistungen mit wenig Aufwand anzubieten. Kinder zu behandeln bedeutet aber mehr Aufwand, denken Sie nur an eine Ultraschalluntersuchung bei einem trotzigen Kleinkind . Das wird in der Vergütung aber nicht berücksichtigt. Die Finanzierung von Krankenhäusern basiert auf zwei Grundlagen. Die Infrastrukturkosten (Bau, Geräte etc.) werden durch die Bundesländer getragen, die Betriebs- und Personalkosten von den Krankenkassen. Die Länder finanzieren die Infrastrukturkosten unzureichend, so dass viele Krankenhäuser gezwungen sind, notwendige Investitionen aus den Krankenkassenerlösen quer zu finanzieren. Die logische Folge ist eine Reduktion des Personals. Nicht umsonst ist das Thema „Pflegenotstand“ in aller Munde. Das trifft Kinderkliniken mit ihrem größeren Zeitbedarf besonders. Kindermedizin ist Notfallmedizin mit vielen unterschiedlichen Diagnosen, die Anzahl der Patienten schwankt saisonal. Personal muss aber gleichbleibend vorgehalten und bezahlt werden, unabhängig von der Belegung und damit der Kostenerstattung. Das ist so, als wenn die Feuerwehr nur für jeden gelöschten Brand bezahlt werden würde. Daher ist es schwierig, Kinderstationen wirtschaftlich rentabel zu führen. Die Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin haben Vorschläge erarbeitet. Die Kinder- und Jugendheilkunde könnte beispielsweise von dem derzeitigen Fall-Vergütungssystem entkoppelt werden, das auf die Erwachsenenmedizin zugeschnitten ist. Mit den Worten „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“ hat sich die GroKo in ihrem Koalitionsvertrag ganz klar zur Verbesserung der Versorgung unserer Jüngsten verpflichtet. Und so richten sich unsere Blicke in diesen Tagen auf die Gesundheitsministerkonferenz in Düsseldorf. Denn Fakt ist: Ohne eine tragfähige Lösung zur Finanzierung der Kinderkliniken droht uns der nächste Versorgungsnotstand, allerdings am anderen Ende der Bevölkerungsgruppen – nämlich bei den Jüngsten.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht