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Tradition

Eurokrise dominiert den Gillamoos

Hochkarätig besetztes Politspektakel in Abensberg: Ein Jahr vor der Bundestagswahl liefern sich Politgrößen am Montag eine Redeschlacht im Bierzelt.

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht am Montag (03.09.2012) beim politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest in Abensberg. Foto: dpa
  • Wolfgang Kubicki freut sich in Abensberg über sein Gastgeschenk. Foto: Ziegler
  • Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) prostet den Gästen zu vor seiner Rede am Montag (03.09.2012) beim politischen Gillamoos-Frühschoppen in Abensberg. Foto: dpa
  • Hubert Aiwanger heizt seinen Zuhörern beim politischen Gillamoos-Frühschoppen in Abensberg ein. Foto: Schönberger
  • Jürgen Trittin beim politischen Gillamoos-Frühschoppen in Abensberg, Foto: Schönberger

Abensberg. Beim jährlichen Aufeinandertreffen der Spitzenpolitiker auf dem Gillamoos in Abensberg hat die Euro-Krise alle anderen Themen überschattet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschwor bei ihrem Bierzelt-Auftritt vor mehr als 4000 Menschen am Montag – ungeachtet aller Streitereien zwischen CDU und CSU – die Einigkeit der Union. SPD-Spitzenkandidat Christian Ude warf der CSU wegen der Rufe nach einem Euro-Aus Griechenlands „skrupellose Vereinfachung“ vor.

Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin attackierte Merkel als scheinheilige Schuldenkanzlerin, die 500 Milliarden Euro Kredite aufgenommen habe. Euro-Rettungsgegner und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger pries seine Partei als „einzig wahre Alternative“ an. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki gab für die Liberalen acht Prozent als Ziel für die Bundestagswahl aus – obwohl die FDP im Disco-Zelt mit weniger als 100 Zuhörern erneut einen Gillamoos-Flop erdulden musste. Kabarettist Wolfgang Krebs dagegen übertrumpfte – mit Ausnahme Merkels – alle Politiker: Er zog bei der zweitgrößten Veranstaltung etwa 2300 Zuhörer an.

Dobrindt begleitete Merkel

Kanzlerin Merkel ging beim Streit um das Vorgehen in der Schuldenkrise auf Distanz zu harten Tönen aus der CSU. Länder wie Griechenland müssten ihre Hausaufgaben machen, sagte sie – betonte aber: „In einer solchen schwierigen Phase haben diese Länder unsere Solidarität verdient, dass wir ihnen wünschen, dass sie diese Schwierigkeiten überwinden können.“ CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt begleitete Merkel zu ihrem Auftritt. Er hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, weil er das Euro-Aus Griechenlands prophezeit. „Wenn’s drauf ankommt, halten CDU und CSU zusammen – und das war immer gut für Deutschland“, sagte Merkel.

SPD-Spitzenkandidat Ude warf der CSU vor etwa 1800 Zuhörern „skrupellose Vereinfachung“ in der Euro-Krise vor. „’Griechen raus‘ erinnert mich an übelste Parolen“, sagte der Münchner Oberbürgermeister. „Wir wollen europäische Missstände angreifen, aber nicht andere europäische Völker.“ Ude spottete über Merkels Auftritt: „Ich finde es schmeichelhaft, dass die CSU ihre allerletzten Reserven aufbieten muss, um gleichzuziehen. Hier wird jetzt sogar Mutti zu Hilfe gerufen, der vor einer Woche noch in unflätiger Weise vors Schienbein getreten wurde“, sagte der SPD-Politiker über die Auseinandersetzungen zwischen CSU und CDU. Ude zog im voll besetzten Festzelt weit mehr Zuhörer an als seine Parteifreunde in den Vorjahren.

„Eurofeindliches Rumpelstilzchen“

Trittin griff Merkel frontal an. In ihrer Amtszeit habe sie 500 Milliarden Euro Schulden aufgehäuft. „Und diese Dame läuft durch Europa und predigt Sparsamkeit. Das ist ein schlechter Witz“, sagte Trittin vor 200 bis 300 Zuschauern. Und in Bayern habe die CSU wegen der Fast-Pleite der Landesbank die Steuerzahler um zehn Milliarden Euro gebracht. „Die CSU ist zu allem in der Lage, aber sie soll nie wieder von soliden Finanzen sprechen.“

Freie-Wähler-Chef Aiwanger bekräftigte vor mehreren hundert Menschen sein Nein gegen den „Rettungsschirm-Wahnsinn“: „Ich möchte der Kanzlerin zurufen: Komm rüber du altes Schlachtross, hier ist die Alternative.“ Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) warf Aiwanger deswegen vor, als „eurofeindliches Rumpelstilzchen“ ganz rechtsaußen Stimmen fangen zu wollen.

Auch der schleswig-holsteinische FDP-Gastredner Kubicki erteilte vorschnellen Rufen nach einem Euro-Austritt Griechenlands eine Absage: „Wir haben ein europäisches Haus gebaut und es war ein Fehler, Griechenland aufzunehmen.“ Aber wenn der Dachstuhl brenne, „können wir im Erdgeschoss jetzt nicht sagen, das geht uns nichts an“. Kubicki forderte eine Zwangsschrumpfung der Banken, damit künftige Finanzkrisen weniger gefährlich ausfallen: „Wenn die Banken zu groß sind, müssen wir sie halt kleiner machen.“

Mehr als 2000 Besucher zogen den Kabarett-Auftritt von Wolfgang Krebs den Politiker-Reden vor. Auf dem Gillamoos dominierten außerbayerische Politiker, beklagte Krebs in seiner Paraderolle als früherer CSU-Chef Edmund Stoiber: „Das sind alles Heimsuchungen und ich rufe euch zu: Wir sind froh, wenn ihr Schwätzer nach eurer Rede wieder nach Hause fahrt in eure Problemzonen.“ (dpa)

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