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Fallstricke der digitalen Welt

Das staatliche Bildungssystem bereitet Kinder und Jugendliche nicht ausreichend auf digitale Herausforderungen vor.
Von Dr. Sebastian Sprenger, Experte für Datenschutz

Dr. Sebastian Sprenger ist Experte für Datenschutz und als Referent bei der DATEV-Stiftung Zukunft tätig
Dr. Sebastian Sprenger ist Experte für Datenschutz und als Referent bei der DATEV-Stiftung Zukunft tätig

Regensburg.In diesen Tagen und Wochen erleben wir wie wohl nie zuvor – und hoffentlich auch danach – dass wir hauptsächlich via Whatsapp, Zoom, FaceTime und andere digitale Angebote unsere sozialen Kontakte pflegen wie auch viele Arbeiten einigermaßen aufrechterhalten können. Umso wichtiger ist es, dass sich jeder Einzelne von uns souverän und selbstbestimmt in einer solchen Welt bewegen kann.

Wenn wir unsere Wohnung online ummelden, dann wollen wir sicher sein, dass die von uns angegebenen Informationen auch nur in den Händen Berechtigter landen. Das gilt auch, wenn wir uns online auf eine Jobanzeige bewerben. Und vermutlich haben auch die wenigsten Nutzer von Dating-Plattformen ein Interesse daran, dass die dort freiwillig gemachten Angaben über das Portal hinaus an Dritte weitergegeben werden. Dass wir solchen Vorgängen aber oft sogar mehrmals täglich unwissend zustimmen, ist meist das Ergebnis wenig praktikabler Umsetzungen durch die Anbieter und – was mindestens genauso schwer wiegt – fehlender Sensibilität durch die Nutzer. Jedem von uns muss die Möglichkeit gegeben werden, in einer vernetzten Welt die Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst ableiten zu können. Wie Lesen, Schreiben und Rechnen wird deshalb auch „Digitalkompetenz“ wegweisend für ein selbstbestimmtes Leben und beruflichen Erfolg sein. Es genügt nicht, die witzigsten YouTube Videos in Rekordzeit zu finden oder Online-Gaming-Champion zu sein. Es genügt genauso wenig, Klassenzimmer mit iPads auszustatten und 45 Minuten pro Woche elementare Programmierkenntnisse zu vermitteln.

Kommende Generationen, die in einer nahezu vollständig vernetzten Welt aufwachsen, müssen auf ihrem Bildungsweg mit der Kompetenz ausgestattet werden, ihr Denken und Handeln auch online jederzeit im Griff zu haben. Angefangen bei der Fähigkeit zu Internetrecherchen über das (spielerische) Erlernen von Programmierkenntnissen und den Umgang mit sozialen Netzwerken bis hin zur Fähigkeit, sich mit Datenerhebungen und dessen Weitergaben kritisch auseinanderzusetzen.

Je länger die Bildungspolitik dieser Diskrepanz zu heutigen Lehrplänen nicht entgegenwirkt, desto weniger kann die künftige Generation weiterhin nur auf das Engagement der Zivilgesellschaft und einzelner Lehrkräfte hoffen, die diese Notwendigkeit ebenso erkennen und aus Eigeninitiative gegensteuern. Souverän ist anders.

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