mz_logo

Politik
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Gesundheit

Flüssige Krankmacher

Die Deutschen trinken zu viel Cola & Co.. Maßnahmen wie eine „Limo-Steuer“ können den Konsum von Zuckergetränken senken.
Luise Molling, Campaignerin bei foodwatch e.V.

Die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation ist deutlich: Zuckergetränke sind eine „Hauptursache“ für Fettleibigkeit und Diabetes und sollten stärker besteuert werden. Zuckergetränke sind deshalb so gefährlich, weil sie sehr viele Kalorien liefern, aber kaum einen Sättigungseffekt haben. Während bei Süßwaren „eine Handvoll“ am Tag durchaus mit einer ausgewogenen Ernährung vereinbar ist, erhöht bereits eine Dose Limonade täglich das Risiko für Übergewicht und Krankheiten wie Typ 2-Diabetes. Daher haben etliche Länder weltweit bereits eine Steuer auf die flüssigen Krankmacher eingeführt. Mit Erfolg: In Großbritannien haben die Hersteller den Zuckergehalt in ihren Getränken deutlich gesenkt, in Mexiko ging der Konsum der besteuerten Produkte zurück, der Konsum von Wasser nahm hingegen zu.

Ärzte, Krankenkassen und Gesundheitsverbände fordern auch bei uns eine „Limo-Steuer“. Deutschland ist mit 84 Litern pro Kopf und Jahr eines der Länder mit dem weltweit höchsten Konsum an Cola & Co. – gleichzeitig ist das hiesige Getränkeangebot völlig überzuckert. Ein Marktcheck des Vereins Foodwatch ergab: Mehr als jedes zweite sogenannte Erfrischungsgetränk enthält mehr als vier Stück Würfelzucker je 250ml-Glas. Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe könnte effektiv gegensteuern und den Herstellern einen Anreiz liefern, den Zuckergehalt in den Getränken zu senken. Auch Süßstoffe sollten von der Abgabe erfasst werden, um der allgemeinen Süßgewöhnung entgegenzuwirken. Im Gegenzug könnte eine Mehrwertsteuerbefreiung von Obst und Gemüse eine gesunde Ernährung verbilligen.

Klar ist: Die Adipositas-Epidemie wird sich allein durch steuerliche Anreize nicht in Luft auflösen. Es braucht zusätzlich eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung und Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung. Obwohl sich in Deutschland die Anzahl adipöser Kinder und Jugendlicher seit den 1980er und 1990er Jahren verdoppelt hat, knapp jeder vierte Erwachsene als adipös gilt und fast sieben Millionen Menschen an Typ 2-Diabetes leiden, setzt die Bundesregierung weiterhin auf – bislang weitgehend wirkungslose – Bildungsmaßnahmen sowie freiwillige Empfehlungen an die Lebensmittelwirtschaft. Deutschland hinkt der internationalen Entwicklung meilenweit hinterher.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht