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Frauen prägen Lauf der Welt

Ostdeutsche Frauen verändern: 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution erinnert unsere Autorin an die Frauenbewegung.
Sabine Balke Estremadoyro, Geschäftsführerin

Sabine Balke Estremadoyro ist Vorstand des i.d.a.-Dachverbands und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, das seit September 2018 online ist.
Sabine Balke Estremadoyro ist Vorstand des i.d.a.-Dachverbands und Geschäftsführerin des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, das seit September 2018 online ist.

Ostdeutsche Frauen verändern die Republik: Das gilt für die Friedliche Revolution vor 30 Jahren. Und es gilt bis heute.

Vor 35 Jahren gründete Ute Leukert mit anderen Frauen die Leipziger Gruppe Frauen für den Frieden, sie wurde gegen die Militarisierung der Gesellschaft aktiv. Am 4. September 1989 entrollten Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns vor der Nikolaikirche in Leipzig ein Transparent: „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ stand darauf. Die Aktion wurde zum Auftakt der großen Montagsdemonstrationen. Frauen machen Geschichte ist das Motto von i.d.a., dem Verband der Frauenarchive. Es gilt auch für die Friedliche Revolution. Im Juni lud i.d.a. nach Leipzig zur Feministischen Sommeruni: Zeitzeuginnen wie Katrin Hattenhauer und Ute Leukert waren zu Gast. In den Gedenkveranstaltungen sollten Frauen zu Wort kommen. Das Erinnern an 1989 ist nicht nur mit Blick darauf, wer spricht, oft verkürzt.

Frauen protestierten nicht nur gegen die Diktatur. Als es darum ging, den Umbruch zu gestalten, organisierten sie sich. Sie gründeten im Dezember 1989 den Unabhängigen Frauenverband, der ab Januar 1990 an den Runden Tischen beteiligt war und im März 1990 zur ersten freien Wahl der DDR-Volkskammer antrat. Auf den Wahlplakaten stand: „Alle Frauen sind mutig, stark, schön!“ Die Grafik dazu kam von Anke Feuchtenberger. Im Digitalen Deutschen Frauenarchiv des i.d.a.-Dachverbandes kann jede und jeder die Plakate und die Geschichte dazu entdecken: Schauen Sie doch rein! Vieles, was im Alltag von Frauen in Ostdeutschland selbstverständlich war, hatten auch westdeutsche Frauen auf ihrem politischen „Wunschzettel“: Vom Recht auf Erwerbsarbeit über umfassende Kinderbetreuung bis zum liberalen Recht auf Abtreibung. Mit der Wende verloren ostdeutsche Frauen einen Emanzipationsvorsprung. Die Forderungen ostdeutscher Frauen verknüpften 1989/90 die Demokratiefrage mit Gleichberechtigung auf allen Ebenen. Die gesamte Republik hat sich verändert: vom Rechtsanspruch auf den Kita-Platz bis zum Rückkehrrecht auf Vollzeit. DDR-Geschichte wird oft als Geschichte der Diktatur erzählt. 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist es Zeit, an die mit der Demokratiebewegung verwobene Frauenbewegung zu erinnern.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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