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Außenansicht

Frauen sind keine Ware

Wer sexuelle Handlungen von Prostituierten in Anspruch nimmt oder Pornos konsumiert, verletzt die Würde von Frauen.
Von Uwe Heimowski

Theologe Uwe Heimowski
Theologe Uwe Heimowski

Prostitution. Das „älteste Gewerbe der Welt“. Wir sprechen von „Bordsteinschwalben“ und „käuflicher Liebe“. Schöne Worte. Aber sie verschleiern die Wirklichkeit: Hinter den rot erleuchteten Schaufenstern leben missbrauchte, erniedrigte und ausgebeutete Frauen. „Sexarbeit“ wird von Lobbyisten in Talkshows und auf Hochglanzbroschüren als seriös, lukrativ, glamourös, die Frauen als selbstbestimmt präsentiert. Und ja, natürlich: Es gibt sie, die gut verdienenden, freiwillig arbeitenden „Pretty Women“ in den Escort-Services. Für die meisten Frauen sieht die Realität aber vollkommen anders aus.

Die Zahl der Prostituierten in Deutschland wächst seit Jahren. Das Geschäft mit der Ware Frau blüht und macht – zweifelhafte – Schlagzeilen: „Bordell Deutschland“ (Der Spiegel). Die genaue Zahl der „Sexarbeiterinnen“ ist nicht bekannt. Mafiöse Strukturen machen solide Schätzungen fast unmöglich. Experten gehen aber davon aus, dass 200000 bis 400000 Prostituierte in Deutschland tätig sind. Die meisten davon gegen ihren Willen.

Christian Zabel, Leiter Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt Niedersachsen, schätzt ein, dass in neun von zehn Fällen Zwangsprostitution vorliegt. Andere gehen von einem geringeren Anteil aus. Doch selbst wenn es „nur“ die Hälfte wäre: 100000 bis 200000 Frauen werden gegen ihren Willen prostituiert. Mitten in unserer Gesellschaft, ohne, dass wir groß Notiz davon nehmen.

Die Verschleierung hat Methode. Milliarden Euro werden in der Sex-Branche verdient. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass in Deutschland jährlich 14,6 Milliarden Euro umgesetzt werden (Zahlen für 2015). Dazu kommen die rasant wachsenden Umsätze in der Pornoindustrie.

Es scheint nötiger denn je, dass wir die Mechanismen hinter dem Sexgewerbe verstehen. Es braucht Öffentlichkeit und Aufklärung, etwa an Schulen. Die Politik ist gefragt, Prävention und Ausstiegsprogramme müssen finanziert werden, die Polizei besser ausgestattet.

Aber es sollte auch einleuchten: Wer sexuelle Handlungen von Prostituierten in Anspruch nimmt, oder Pornos konsumiert, verletzt die Würde von Frauen. Wie überall gilt auch in diesem Fall: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Es liegt vor allem an uns Männern, diesen „Sklaven-Markt“ trockenzulegen.

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