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Vatikan

Friede, Freude, Familiensynode

Seit eineinhalb Wochen tagen die Bischöfe in Rom. Offene Konflikte zu heiklen Themen gab es kaum – zumindest bisher.
Von Miriam Schmidt und Klaus Blume, dpa

Papst Franziskus vor der Bischofssynode
Papst Franziskus vor der Bischofssynode Foto: dpa

Rom.Reformer gegen Konservative, offene Auseinandersetzungen und eine drohende Kirchenspaltung: Vor der Bischofssynode in Rom hatten viele Beobachter drei Wochen knallharter Grundsatzdiskussionen über die Zukunft der katholischen Kirche mit Konflikten und Streit erwartet. Doch nach der ersten Hälfte der Synode scheint nichts von alledem eingetreten zu sein. Viele Teilnehmer betonen die gute Stimmung in der Synodenaula, heikle Themen wie die Kommunion wiederverheirateter Geschiedener und der Umgang mit Homosexuellen wurden zu Beginn eher nur am Rande erwähnt.

„Das ist eine mediale Inszenierung, dass sich da zwei Lager unversöhnlich gegenüber stehen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der an dem Treffen teilnimmt. Und auch Bernd Hagenkord, der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, der die Sitzungen täglich verfolgt, betonte: „Ich sehe keine Fronten.“ Es gebe nur „ein paar übliche Verdächtige“, einige Figuren am Rande, aber „eine riesige Mehrheit, die konstruktiv arbeitet.“

Es gab nur ein Störfeuer

Für das einzige echte „Störfeuer“, so formuliert es Hagenkord, sorgte bislang die Veröffentlichung des Briefs einiger konservativer Kardinäle an den Papst, in dem das Vorgehen der Synode kritisiert wird. Der deutsche Kurienkardinal und ehemalige Bischof der Diözese Regensburg Gerhard Ludwig Müller bezeichnete die Veröffentlichung gar als „neues Vatileaks“. Der Skandal um die veröffentlichten Vatikan-Dokumente hatte 2012 für Aufsehen gesorgt.

Doch die intensiven Auseinandersetzungen könnten erst noch kommen. Immerhin ging es zu Beginn um den momentanen Zustand der Familie – ein Thema, das weniger Konfliktpotenzial beinhaltet als etwa die Diskussion über den Umgang mit Homosexuellen. „Die nächsten Tage werden wesentlich spannender und herausfordernder“, prophezeite der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. In grundsätzlichen Fragen gebe es Unterschiede, die möglicherweise nicht durch Kompromisse zu lösen seien. Auch Hagenkord erklärte mit Blick auf die noch anstehenden Debatten: „In der dritten Woche kommen die Konfliktthemen.“

Und unterschiedliche Meinungen gibt es allemal, insbesondere bei Synodenvätern von verschiedenen Kontinenten. „Es ist gar keine Frage, dass die Probleme regional sehr unterschiedlich sind“, sagte Professor Thomas Schirrmacher, der für die weltweite Evangelische Allianz als Beobachter an der Synode teilnimmt, der Deutschen Presse-Agentur. Und auch Christian Weisner von der katholischen Laienorganisation „Wir sind Kirche“ betonte: „Natürlich gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen auf den Kontinenten, das zeigt diese Synode deutlich.“

Die Erwartungen bleiben hoch

Fest steht jedenfalls, dass das Ringen um einen neuen Kurs der Kirche oder ein Festhalten am bisherigen Kurs nicht leicht ist. Insgesamt 40 Stunden Zeit haben die Kleingruppen, um intensiv über jedes einzelne Wort zu diskutieren. Dabei sind bereits nach einer Woche Dutzende Änderungsanträge zum Vorbereitungsdokument herausgekommen. Und am Ende der Synode muss die Arbeit aller 13 Kleingruppen zusammengeführt werden in ein großes Abschlussdokument. Dass dabei tatsächlich ein breiter Konsens gefunden werden kann, erscheint fraglich.

Dennoch sind die Erwartungen weiterhin hoch. „Die Synodenväter wissen hoffentlich um ihre große Verantwortung“, sagte Weisner. „Wenn sie die Chancen dieser Synode verspielen, würde das das Ansehen der katholischen Kirche und vor allem auch von Papst Franziskus gefährden.“ Einige Beobachter gehen davon aus, dass den Ortskirchen mehr Freiheiten gegeben werden könnten - etwa bei der Kommunion für Wiederverheiratete. „Dass die offizielle Lehre der Kirche geändert wird, das hat der Papst ausgeschlossen“, sagte Schirrmacher.

Dennoch ist der Ausgang der Synode nach etwa der Hälfte der Zeit noch völlig offen. Einen Zwischenbericht mit ersten Hinweisen gab es – im Unterschied zur Vorbereitungssynode im Vorjahr – nicht. Am 24. Oktober sollen die Synodenväter über das Abschlussdokument abstimmen, das dann Papst Franziskus übergeben wird. Letztendlich entscheidet ohnehin er, was an die Öffentlichkeit gelangt und was sich in der katholischen Kirche tatsächlich ändert.

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