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Politik
Samstag, 26. Mai 2018 28° 2

Textilindustrie

Fünf Jahre nach Rana Plaza

Der Tod von mehr als 1000 Arbeiterinnen in einer Textilfabrik schockierte die Welt. Bis heute hat sich nicht viel gebessert.
Dr. Sabine Ferenschild

Dr. Sabine Ferenschild ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des SÜDWIND-Instituts.

Berlin.Heute ist es auf den Tag genau fünf Jahre her, dass das Rana Plaza-Gebäude in Bangladesch einstürzte, wobei mehr als 1000 ArbeiterInnen getötet und mehr als 2000 zum Teil erheblich und bleibend verletzt wurden. Mehrere Textilfabriken in diesem Gebäude produzierten auch für den deutschen Markt. Der Schock nach dieser Katastrophe war groß. Er trug entscheidend dazu bei, dass der „Bangladesch Accord“ unter Beteiligung vieler Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft auf den Weg gebracht werden konnte: Der Accord war mit seinem Überprüfungsmechanismus zur Gebäudesicherheit, seinen Sanierungsauflagen, seiner transparenten Berichterstattung über die erzielten Fortschritte und seinem Sanktionsmechanismus in den letzten fünf Jahren das zentrale Instrument, mit dem die Gebäudesicherheit in den Bekleidungsfabriken Bangladeschs verbessert werden konnte.

Nun, fünf Jahre später, läuft der Accord aus. Ist nun alles gut in Bangladeschs Bekleidungsfabriken? Nein. Eine aktuelle Überblicksstudie des US-amerikanischen „Zentrums für globale Arbeitsrechte“ an der PennState-Universität zieht eine ernüchternde Bilanz: Durch die Erhöhung der Gebäudesicherheit habe der Accord zwar seine Kernaufgabe, ein weiteres Rana Plaza zu verhindern, erfüllt. Doch müsse auch konstatiert werden: Die Preise, die die Auftraggeber ihren Zulieferern in Bangladesch zahlen, sind in den letzten fünf Jahren im Schnitt um 13 Prozent und die Lieferzeiten, die die Auftraggeber von ihren Lieferanten verlangen, um acht Prozent gesunken. Diese beiden Faktoren erhöhen den Druck auf Zulieferer und Beschäftigte in erheblichem Maße. Kein Wunder, dass in der Folge auch die Reallöhne deutlich gesunken sind und zugleich die Verletzung des Rechts auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen ebenso deutlich stieg. Auch die Zahl der Neuzulassung von Gewerkschaften, die nach dem Kollaps zunächst zunahm, wird in den letzten Jahren wieder viel restriktiver von der Regierung gehandhabt.

Selbst im Kernbereich des Accords, der Gebäudesicherheit, bleibt noch viel zu tun. Deshalb ist es jetzt wichtig, dass alle Mitglieder des alten Accords auch den Nachfolge-Accord unterzeichnen. Der Sportkonzern Puma fehlt zum Beispiel noch unter den Unterzeichnern des neuen Accords. Auch weitere Unternehmen, für die Bangladesch ein wichtiges Produktionsland ist – wie etwa IKEA – sollten ihrer sozialen Unternehmensverantwortung gerecht werden und mit dem Beitritt zum Accord die weitere Stärkung sicherer Arbeitsplätze in Bangladesch unterstützen.

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