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Für sichere Arzneimittel

Die ganze Welt wartet auf einen Corona-Impfstoff. Die Einführung darf aufgrund einer Pandemie aber nicht beschleunigt werden.
Von Prof. Dr. med. Dominikus Bönsch, Arzt

Foto: BKH Lohr/BKH Lohr

Weltweit besteht weiterhin großes Interesse, möglichst schnell eine wirksame Therapie und einen Impfstoff gegen den Erreger SARS-CoV-2 zur Verfügung zu haben. Das ist nachvollziehbar. Dennoch darf die Sicherheit der Patienten bei der Arzneimittelversorgung nicht leiden. Die Entwicklung, Prüfung und Zulassung von Impfstoffen darf – auch auf europäischer und internationaler Ebene – angesichts einer Pandemie nicht beschleunigt werden. Normalerweise beruhen Zulassungsverfahren von Impfstoffen auf dem Beleg gesicherter vertrauenswürdiger Informationen („Trusted Evidence“). Sie sollten unabhängig sein von industriellem Einfluss und einen uneingeschränkten Zugang zu allen verfügbaren Daten hinsichtlich des Medizinproduktes gewährleisten. Beschleunigte Zulassungsverfahren, angesichts von Epidemien, erwiesen sich in der Vergangenheit schon mehrfach als Fehler, die weit mehr Schäden verursachten als nutzten. Als Beispiel sei auf die Impfstoffe verwiesen, die bei der Schweinegrippe-Pandemie 2009 und bei der Dengue-Prävention 2017 auf den Philippinen eingesetzt wurden.

Angesichts der zu erwartenden riesigen Nachfrage weltweit dürfte bei den Impfstoffherstellern das wirtschaftliche Interesse an einer Zulassung ihres Produktes groß sein. Erste Berichte über US-Impfstoffstudien am Menschen, die entgegen bislang geltender Regeln ohne vorangegangene Sicherheitsüberprüfung an Versuchstieren genehmigt wurden, lassen vermuten, unter welchem Druck Zulassungsbehörden aktuell stehen. Vor diesem Hintergrund gibt auch die spätere Preisgestaltung Anlass zur Sorge. Mit Blick auf die Situation in den Flüchtlingscamps und den Entwicklungsländern, ist zu befürchten, dass ein verfügbarer Impfstoff dann nur für reiche Industrienationen mit nahtloser Kühlkette erschwinglich sein wird! MEZIS wird die kommenden Entwicklungen bei der Impfstoff- und Medikamentenentwicklung zur Eindämmung der Corona-Pandemie sehr kritisch beobachten. MEZIS fordert eine enge wissenschaftliche Begleitung bei der späteren Anwendung – durch öffentlich finanzierte, herstellerunabhängige Studien – und politische Anstrengungen für erschwingliche Marktpreise, um auch ärmeren Ländern die Versorgung zu ermöglichen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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