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Politik
Freitag, 17. August 2018 31° 2

Kommentar

Gebeuteltes Land

Ein Kommentar von Jochen Wittmann, MZ

Großbritannien ist ein gebeuteltes Land. Der vierte Anschlag in drei Monaten, drei davon allein in den vergangenen vier Wochen – das ist nur eine Facette der Malaise, und nicht einmal die allerschlimmste.

Wenn es um Terror geht, haben die Briten eine dicke Haut. Und reichlich Erfahrung in den vergangenen Jahrzehnten, denn allein der Terror der nordirischen Untergrundorganisation IRA war nicht weniger blutig, aber sehr viel permanenter als die jüngste Welle von Untaten. Noch hält die stoische Mentalität der Briten, wenn es um Terror geht: Man will sich nicht unterkriegen lassen.

Die Katastrophe des Hochhausbrandes in Nord-Kensington dagegen hat die Nation viel tiefer erschüttert. Nicht allein wegen der Dimension des Unglücks oder weil es selbstverschuldet scheint. Hinzu kommt ein sozialer Aspekt. Das Inferno im Grenfell Tower hat arme Leute getroffen, die von der reichen Kommune von Kensington und Chelsea jahrzehntelang ignoriert wurden. Die soziale Spaltung des Landes, die Konsequenzen von sieben Jahren Austeritätspolitik unter der Regierung der Konservativen und der scheinbare Vorrang der Interessen von begüterten Eliten wurden bei diesem Unglück sinnfällig.

In dieser Hinsicht schockt aber auch der jüngste Anschlag, weil er sich offensichtlich direkt gegen den muslimischen Bevölkerungsanteil richtet. Denn sein Ziel ist die gesellschaftliche Spaltung. Zwischen die Religionen soll ein Keil getrieben werden.

Wir müssen zusammenstehen, ruft der muslimische Bürgermeister von London, Sadiq Khan. Es ist ein Appell, den Großbritannien in diesen Zeiten weiß Gott braucht.

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