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Geschichte

Gorbatschow attackiert den Westen

Die Hauptstadt erinnert an den Fall der Mauer vor 25 Jahren. Doch in die heitere Stimmung mischen sich auch kritische Töne.

  • Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow am Pariser Platz in Berlin, im Hintergrund das Brandenburger Tor. Er warnte vor einem neuen Kalten Krieg. Foto: dpa
  • Eine Lichtgrenze zeichnet den ehemaligen Grenzverlauf der Berliner Mauer nach. Foto: dpa
  • Rund 7000 leuchtende Ballons wurden dazu in der Stadt montiert. Foto: imago
  • Die Installation wurde am Freitagabend eröffnet. Foto: dpa
  • Leuchtende Ballons zeigen den ehemaligen Grenzverlauf in der Hauptstadt – wie hier an der Bernauer Straße. Foto: dpa

Berlin.Fröhlich, entspannt, gelassen: Berlin feiert den Mauerfall vor 25 Jahren. Bei herrlichem Sonnenschein waren am Samstag Hunderttausende Menschen aus aller Welt in der einst geteilten Stadt unterwegs, um sich an die historischen Ereignisse vom 9. November 1989 zu erinnern. Hauptattraktion ist die Lichtinstallation, die den Verlauf der Mauer nachzeichnet. Die knapp 7000 Ballons sollen am Sonntagabend in den Himmel aufsteigen und so die symbolische Grenze wieder auflösen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ging auf die historische Bedeutung der Ereignisse des 9. November 1989 in Berlin ein: „Diese Stadt hat Geschichte geschrieben“, sagte die aus der einstigen DDR stammende CDU-Politikerin am Samstagabend in der Neuen Nationalgalerie. „Der menschliche Drang nach Freiheit lässt sich nicht auf Dauer unterdrücken“, betonte sie bei der Eröffnung der „Falling Walls Conference“, einer internationalen Wissenschaftstagung.

„Es braucht Mut, Freiheit zu erkämpfen, und es braucht Mut, Freiheit zu nutzen“, so Merkel. Berlin habe nicht nur das Bild Deutschlands geprägt, sondern sei auch „fast ein Symbol für die Vereinigung Europas nach dem Kalten Krieg“, sagte die Kanzlerin in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft.

Gorbatschow warnt vor neuem Kalten Krieg

Politisch jedoch fiel ein Schatten auf die Feierlichkeiten. Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow erhob bei einer Veranstaltung der „Cinema For Peace Foundation“ in Berlin schwere Vorwürfe gegen den Westen. Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt sagte er: „Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen.“ In den vergangenen Monaten habe sich ein „Zusammenbruch des Vertrauens“ vollzogen.

Der Friedensnobelpreisträger, der als einer der Väter der deutschen Einheit gilt, warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Stattdessen habe man sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen. Die Vertrauenskrise belaste auch die Beziehungen zu Deutschland. „Lasst uns daran erinnern, dass es ohne deutsch-russische Partnerschaft keine Sicherheit in Europa geben kann.“

Die Linke verurteilte zum 25. Jahrestag des Mauerfalls das „staatliche Unrecht“ in der DDR und erneuerte damit eine Entschuldigung ihrer Vorgängerpartei PDS aus dem Jahr 1990.

Merkel bezeichnete die immer wieder aufflackernde Diskussion, ob die DDR ein Unrechtsstaat war, als „beklemmend“. „Die DDR war ein Unrechtsstaat“, betonte die Kanzlerin in Wismar bei einem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommerns. Der Liedermacher Wolf Biermann hatte die Linke bei einer Gedenkstunde im Bundestag am Freitag scharf als „elenden Rest“ der SED kritisiert.

Jugendliche beschmieren Mauer-Gedenkstätte

Die Lichtinstallation, die seit Freitagabend in Berlin den Verlauf der Mauer nachzeichnet, lockte schon zum Auftakt zahllose Besucher an. In der Nacht zum Samstag flanierten Einheimische und Touristen in Scharen an leuchtenden Ballons vorbei, tagsüber setzte sich der Zug der Schaulustigen fort. Allerdings gingen eine Reihe von Ballons kaputt, sie mussten erneuert werden.

Jugendliche beschmierten in der Nacht zum Samstag die zentrale Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße, wo Merkel an diesem Sonntag die neue Dauerausstellung eröffnen will, mit linksextremistische Parolen. (dpa)

Kommentar

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Als die Mauer fiel, war ich Teenager. Berlin war weit weg. Nichts war so weit entfernt wie die DDR. Kein Ausland, kein Urlaub, egal wohin, führte mich...

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